Anneè Olofsson

Anneè Olofsson · Demons, 1999, C-Print, 130x102 cm (Serie of 9); Courtesy Schaper Sundberg Galleri

Anneè Olofsson · Demons, 1999, C-Print, 130x102 cm (Serie of 9); Courtesy Schaper Sundberg Galleri

Besprechung

Der fotografische Blick auf die Familie hat zur Zeit Hochkonjunktur: ob als schonungslose Bestandesaufnahme häuslichen Elends wie bei Richard Billingham oder als kalkulierter Exhibitionismus wie bei Stefan Banz. Immer handeln diese Bilder auch vom Voyeurismus und von einer als ambivalent erfahrenen Komplizenschaft des Publikums. Beides finden wir auch in Anneè Olofssons (*1966) Arbeiten angelegt, deren unterkühlt-spannungsgeladene Ästhetik gleichzeitig aber auch dunkle Ahnungen weckt und Abgründiges vermuten lässt.

Anneè Olofsson

Anneè Olofsson beschäftigt sich in ihrer Kunst mit den Dingen, die ihr Leben beeinflussen und es prägen. Und das ist in unserer Gesellschaft immer auch die Familie als ein Ort, an dem die Verletzlichkeit des eigenen Ichs, seine Ängste, die Ambivalenz von Nähe und Distanz, von Geborgenheit und Abhängigkeit geradezu archetypisch erfahren werden. Von Beziehungen und Ängsten handelt auch Anneè Olofssons jüngste Fotoarbeit «Demons». Eine Nacht lang liess sie sich von einem professionellen Bodyguard beschützen. Sie ging mit ihm in den Wald und an den Strand, legte sich unter seiner Obhut im Hotelzimmer schlafen, ging ins Bad... So harmlos solch alltägliche Gesten sein können, festgehalten mit einem an Film- und Fernsehästhetik geschulten Blick entfalten die Handlungen ein äusserst ambivalentes Potenzial. Die Art und Weise wie der Bodyguard auf der Bettkante sitzt, wie er die Frau in den Wald begleitet, wie wir durch den halbgeöffneten Türspalt sehen, stets werden wir dadurch von der Künstlerin kalkuliert in äusserst widersprüchliche Beziehungskonstellationen mitverwickelt, deren Grundtenor latent unheimlich ist – und in denen Fiktion und Realität sich zu spannungsgeladenen Bildern verdichten.Die fixierten Momente verweigern jegliches Ausweichen. Die Wahrnehmung bleibt in den Szenerien gefangen, sei es über einen zurückgespiegelten Blick, sei es durch einen in undurchdringlicher Schwärze aufgelösten Horizont, durch Waldgestrüpp oder eine schäbige Zimmerwand. Der Blick ins Bild wird unweigerlich immer auch zum Einblick in die eigene Einsamkeit, Verletzlichkeit und Schutzlosigkeit.Eingeschrieben in die unterkühlte und perfekt inszenierte Schönheit der Fotografien provozieren die psychischen und emotionalen Anspielungen der Szenerien zwar äusserst widersprüchliche, ja intensive Gefühlsreaktionen, lassen diese aber an der hermetischen Bildoberfläche gleichzeitig abprallen. Eine so verstandene Selbstinszenierung zielt kaum auf Selbstenthüllung. Sie verweist auf die generell vorhandenen Gefährdungen menschlicher Existenz. Die verführerische Ästhetik wird hier Mittel zum Zweck; dies in der Annahme (was ganz in der Tradition Friedrich Nietzsches steht), dass die Wahrheit dem Menschen – wenn überhaupt – nur verhüllt im Schönen Schein zumutbar sei.


Jusqu'à 
28.04.2000
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Anneè Olofsson 01.04.2000 - 29.04.2000 exposition Bern
Schweiz
CH
Auteur(s)
Elisabeth Gerber
Artiste(s)
Anneè Olofsson

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