Markus Müller im Museum für Gegenwartskunst

Markus Müller · Stillleben, 1999, Tannenholz, Ölfarbe, Karton, Kunstharzspray, Sperrholz, Wandtafellack, © 2002 Markus Müller

Markus Müller · Stillleben, 1999, Tannenholz, Ölfarbe, Karton, Kunstharzspray, Sperrholz, Wandtafellack, © 2002 Markus Müller

Besprechung

Polierter Marmor. Morscher Baumstrunk, Volute eines Geigenhalses. Die Zeichen leicht melancholischer Hochkultur schuf Markus Müller mit geradezu lachhaft einfachen Mitteln: Sperrholz, Karton, Kettensäge, Kreidestift.

Markus Müller im Museum für Gegenwartskunst

Das Stillleben von 1999 ist die älteste der vier räumlichen Arbeiten, die Markus Müller als Manor-Preisträger im Zwischengeschoss des Museums für Gegenwartskunst versammelt. Wie ein trickreicher Bühnenbildner evoziert er in preiswertem Material oft grandiose Bilder. Dabei achtet er besonders «auf die Grenze zwischen Andeutung und der handfesten Wirklichkeit, die Möglichkeit eines Gegenstandes, an etwas zu erinnern und gleichzeitig selber Wirklichkeit zu sein». Der Schein von Kostbarkeit und Gewicht entsteht wie aus dem Nichts. Es ist eine Geste, die das Prestige des Bildes hervorbringt und zugleich als Schein blosslegt. Müllers Arbeit zwischen den Gattungen Bild und Skulptur unterspült die Werte, die sie – im Zerrbild und Imitat – als hölzerne Fata Morgana entstehen lässt.

So haben seine Skulpturen auch oft eine Schauseite, wo ein Bild vor unsern Augen sozusagen als Ideal entsteht und nach vorne drängt, während sich im Seitenblick seine Konstruktion zeigt. Seine Arbeiten stellen sozusagen fortlaufend die Bedingungen her, unter denen eine Behauptung sich erst formulieren kann. Oder sie sind so bemalt, dass sich in der Ferne Illusion herstellt, die sich in der Nähe in leichthändige Gestik, flüchtige Kreidespur auflöst. Die neuste Arbeit schliesslich lässt in illusionistischer Perspektive einen Balken in der Leere schweben: eine Intarsie, wie sich zeigt, die Holz zugleich darstellt und ist.

Was Müller behauptet? Zunächst einmal einen Augenblick der Kunstgeschichte, in welchem sehr verschiedene künstlerische Haltungen – das Analytische und das Sinnliche, das Minimale und Opulente, das Symbolistische, Ironische und Wahrhafte – verschmelzen. Was gleichnishaft von Empfindung, von prekärem Glück erzählt, wie es Alanis Morisette besingt: «? I’m free but I’m focused, I’m green but I’m wise ? I’m sad but I’m friendly, I’m brave but I’m chicken shit? What it all boils down to, is that no one’s figured it out just yet, I’ve got one hand in my pocket, and the other is playing the piano?» Mit Katalog.
Bis 12.5.

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