Maria Hahnenkamp im Museum für Angewandte Kunst und in der Galerie Krobath Wimmer

Maria Hahnenkamp · «Diaprojektion 1», 2000/2002, 81 Dias; Courtesy: Galerie Krobath Wimmer, Wien

Maria Hahnenkamp · «Diaprojektion 1», 2000/2002, 81 Dias; Courtesy: Galerie Krobath Wimmer, Wien

Besprechung

Nach einer grösseren Überblicksausstellung mit neuen Werken von Maria Hahnenkamp in Linz zu Beginn dieses Jahres sind nun in Wien gleich an zwei Orten Einzelpräsentationen dieser Künstlerin zu sehen. Eine erfreuliche Koinzidenz, denn längere Zeit war, – abgesehen von Beteiligungen an Gruppenausstellungen, wie kürzlich im Rahmen der Reihe «Das Experiment» in der Wiener Secession –, keine Einzelschau Hahnenkamps in Österreich mehr gezeigt worden. Die drei Ausstellungen ermöglichen eine verdichtete Auseinandersetzung mit den neuen Arbeiten, die ebenso wie frühere Projekte von einer grossen Kohärenz und Stringenz geprägt sind.

Maria Hahnenkamp im Museum für Angewandte Kunst und in der Galerie Krobath Wimmer

Maria Hahnenkamp im Museum für Angewandte Kunst, MAK-Galerie, Stubenring und in der Die aufwändige Dia-Projektion im MAK markiert den vorläufigen Abschluss einer jahrelangen obsessiven Forschungs- und Sammeltätigkeit, für die Maria Hahnenkamp tausende von Bildvorlagen, die in erster Linie Repräsentationen von Weiblichkeit in den verschiedensten Medien illustrieren, zusammentrug: Fotografien aus Mode- und Kunstzeitschriften, aus Privatarchiven, ethnografischen Sammlungen oder Pornoheften. Die schnell rotierende Parallelprojektion von über 700 Dias stellt dieses Bildarchiv vor, dessen Hauptmerkmal in der nichtwertenden, nüchternen Darlegung von Körperhaltungen, Gesten, Stellungen und sexuellen Posen liegt. Verstärkt durch Paradebeispiele kunsthistorischer Aktdarstellungen wird so ein vergleichender, buchhalterischer Gestus offengelegt, der die vermeintlich emotionalen Gehalte dieser Bilder auf ein Minimum reduziert.

Maria Hahnenkamp zeigt parallel dazu in einer Wiener Galerie neue Fotoarbeiten, die ebenfalls von einem starken Spannungsverhältnis zwischen absoluter Nähe und formaler Distanz handeln. Man sieht auf diesen Fotos die «Schnittstellen» zweier Frauen, die dicht nebeneinander stehen, beide rot in rot angezogen. Die Köpfe der Dargestellten sind zwar nicht auf dem Bild, aber das «Weibliche» lässt sich an sekundären Geschlechtsmerkmalen ablesen. Diese Methode der Fragmentierung, welche die Taktik sexistischer Werbung aufnimmt – indem den Abgebildeten eine eigene Identität verweigert wird –, ist hier mit den eigenen Mitteln geschlagen. Denn Hahnenkamps Arbeiten faszinieren nicht zuletzt durch die absolut perfekte Behandlung der Oberfläche, ein ebenfalls ästhetisches Werkzeug der Werbeindustrie. Indem die Künstlerin diesen Gestus aufnimmt und für ihre eigenen Zwecke nutzbar macht, konterkariert sie diese Methode mit einer eigenen Strategie und hebt deren reaktionären Gehalt schliesslich auf.
MAK bis 5.5.
Krobath Wimmer bis 4.5.

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