Gregor Schneider in der Kunsthalle

Gregor Schneider / Hannelore Reuen · Alte Hausschlampe, 1999, Installation, Foundation Foksal Galerie Warschau; © Foto: Gregor Schneider

Gregor Schneider / Hannelore Reuen · Alte Hausschlampe, 1999, Installation, Foundation Foksal Galerie Warschau; © Foto: Gregor Schneider

Besprechung

Als «verknappte Retrospektive» bezeichnet sie die Hamburger Kunsthalle. Eine Werkschau Schneiders auf Auswahl und Verdichtung hin anzulegen ist schon angesichts des Umfangs der Arbeit plausibel. Unter dem Titel «Gregor Schneider. Hannelore Reuen» führt die Ausstellung Räume und Arbeiten aus den Jahren 1988 bis 2003 zusammen, ausserdem zeigt Schneider eine neue Installation. Ergänzt wird die überzeugende Schau durch Video- und Fotoarbeiten.

Gregor Schneider in der Kunsthalle

Längst ist Schneiders «Haus u r» zum Mythos geworden. Der Künstler, Sohn eines Bleifabrikanten, bewohnt das dreistöckige Gebäude in der Unterheydener Strasse in Rheydt seit 1985. Zunächst allein, es sei ja nicht zu vermieten gewesen wegen des bleiverseuchten Geländes. Unveräusserlich also war der Familiensitz, da bereits das, was Schneider später auch über eine seiner Arbeiten sagte: «regelrecht Ökonomie totgemacht». Gerade deshalb wohl wurde «Haus u r» für ihn zur «Lebenswelt» und zum Projekt. Er baute um, zog doppelte Wände ein, liess Türen im Nichts und Gänge in klaustrophobischer Enge münden. Er schuf schalltote und gedoubelte Räume, die er verkleinert in bestehende einbaute. Ob die selbst die «ursprünglichen» waren, wusste auch er nicht zu sagen. Es spielte keine Rolle. Mit der Vervielfachung und Hybridisierung von Räumen ging es Schneider um «Leerlauf von Handlungen» und auch darum, dass ursprünglicher Raum, Schicht über Schicht, aufgehoben und ins Unwirkliche verkehrt würde.

Nur wenige haben das «Haus u r» betreten. Auskoppelungen daraus zeigte Schneider als «Totes Haus u r», etwa auf der Venedig-Biennale 2001. Es ist auch durch Video- und Fotoarbeiten präsent, und einiges davon ist in Hamburg zu sehen. Das Kürzel «u r» leitet sich von «Unterheydener Strasse, Rheydt» ab, doch genauso gut steht es für «umbauter» oder «unsichtbarer Raum». Schneider lässt das offen.

In der Kunsthallen-Schau wurden Räume, die ausserhalb von «Haus u r» entstanden, in spannungsreiche Folge gebracht. Schneider-kundige werden hier «Bekannte» treffen: etwa die «Alte Hausschlampe» alias Hannelore Reuen (2000, Warschau) oder den «Müllsack in Wichsecke» (1999, Bremerhaven). Auch «Hardcore» (2000, Krefeld) ist dabei und der Parcours führt zuletzt in die «Doppelgarage» (2002, Rheydt). Schneiders neue Arbeit «u r 45 Steindamm» liegt am entgegengesetzten Ende der Kunsthalle. In die Rotunde des Altbaus setzte er einen Einbau, der in Form einer Einstülpung städtischen Aussen- und musealen Innenraum aufeinander bezieht. Die Arbeit ist rund um die Uhr und nur von aussen zugänglich, eine unwirtliche, von nur einer Lampe kalt ausgeleuchtete und komplett umbaute Verlängerung der Strasse in die Kunsthalle hinein.

Neben Schneider wird Hannelore Reuen als Ausstellende genannt. Gesehen hat sie niemand, Schneider behauptet fest, dass es sie gibt. Im Katalog (19.50 Euro) findet sich ihr Lebenslauf, ein Ausstellungsverzeichnis und auch ein Interview mit ihr.

Jusqu'à 
14.05.2003

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