Hubbard/Birchler in der Galerie Vera Munro

Teresa Hubbard/Alexander Birchler · County Line Road, View through windshields, Location Single Wide, 2002, C-Print on Fujicolor Crystal Archive Paper, 91,44 x 162,66 cm

Teresa Hubbard/Alexander Birchler · County Line Road, View through windshields, Location Single Wide, 2002, C-Print on Fujicolor Crystal Archive Paper, 91,44 x 162,66 cm

Besprechung

Mit ihren Fotoarbeiten und Kurzfilmen sind Teresa Hubbard und Alexander Birchler inzwischen auf internationalem Parkett präsent. Die von ihnen entwickelte Bildsprache spielt mit Konventionen des «Grossen Kinos» und ist auch stark von Bezugnahmen auf bildende Kunst geprägt, erinnert im Gestus etwa an Arbeiten von Jeff Wall oder Cindy Sherman. Die Galerie Munro stellt das Werk des in Austin, Texas, lebenden Künstlerpaars jetzt erstmals in Hamburg umfassender vor.

Hubbard/Birchler in der Galerie Vera Munro

Im Zentrum der Einzelschau stehen drei jüngere Filme: «Single Wide», 2002, ist als grossformatige Projektion zu sehen, «Eight», 2001, und «Detached Building», 2001, werden via Monitor präsentiert. Ausserdem sind zahlreiche Fotoarbeiten zu sehen. Dabei handelt
es sich zum Teil um Stills aus den genannten Filmen. Einige Bilder zeigen jedoch Ansichten, die zwar in den jeweiligen Settings aufgenommen sind, in den Filmen selbst aber nicht vorkommen. Eine irritierende Vertrautheit also, mit der sie den ohnehin rätselhaften Szenarien noch einmal neue Perspektiven und Deutungen hinzufügen.

Die in drei- bis siebenminütigen Loops kurzgeschlossenen Filme sind inszeniert wie Geheimnisse, die mit jedem Durchlauf nur noch ungreifbarer werden. Dafür setzen Hubbard/Birchler traditionelle kinematografische Mittel auf überraschende und ganz eigene Weise ein. Sie greifen zum Beispiel auf Hitchcocks Methode der «Wild Walls», der «beweglichen Wände» zurück, die dieser etwa in «Rope» (Cocktail für eine Leiche, 1948) verwendete, um Kamerafahrten durch mehrere Räume hindurch zu ermöglichen. Auch Hubbard/Birchler arbeiten mit solchen Kamerafahrten, die das Auge in kontinuierlicher Bewegung halten und unweigerlich «Suspense» erzeugen. Insbesondere in «Single Wide» wird das zur tragenden Struktur. Gleichmässig und unausgesetzt voranschreitend ist die Filmerzählung dabei eingelassen in die unendliche Wiederkehr des Loops, sind Anfang und Ende der Handlung kunstvoll in der Filmrealität aufgehoben: Das führt die Narration ins Bodenlose und indem sich die Geschichten förmlich um sich selber drehen, entfalten sie eine ebenso faszinierende wie beklemmende Sogwirkung.

Diesen gleitenden Übergang zwischen Räumen setzen Hubbard/Birchler auch motivisch ein: Kernthema ihrer Arbeit ist die Kontinuität zwischen innen und aussen. Das beziehen sie zunächst auf Schauplätze, verweben dies in raffinierter Bilddramaturgie, aber auch mit Handlungsmustern ihrer Protagonisten. In «Eight» etwa folgt die Kamera dem Blick eines vielleicht achtjährigen Mädchens, das am Fenster steht und auf einen dunklen, verregneten Hinterhof schaut. Fast unbemerkt geht das Innere des Raums ins Aussen über, das Mädchen läuft plötzlich im strömenden Regen auf die durchnässten Reste einer Geburtstagstafel zu. Sie schneidet ein Stück Kuchen ab, die Kamera wandert von dieser Handbewegung weiter über Spielzeug, Kekse und aufgeweichte Pappteller bis an den Rand des Tisches und geht von dort unmerklich wieder in den Innenraum über. Um dann erneut auf das am Fenster stehende Kind zu treffen – und das Szenario beginnt von vorn. Kurze Sequenzen nur, präzise erzählt und von melancholischer Strahlkraft. In der Wiederholung erzeugen sie ein verstörendes Kontinuum, das sich der linearen Deutung konsequent entzieht.

Jusqu'à 
19.12.2003

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