Christiane Hamacher im Nidwaldner Museum

Explosion, 2003, Mineralfarbe auf Wand, 3000 x 200 cm, Nidwaldner Museum Stans, Garten des Winkelriedhauses; Foto: Primula Bosshard.

Explosion, 2003, Mineralfarbe auf Wand, 3000 x 200 cm, Nidwaldner Museum Stans, Garten des Winkelriedhauses; Foto: Primula Bosshard.

Besprechung

Das Projekt «échanges», eine Initiative des Schweizerischen Kunstvereins, setzt sich zum Ziel, Austausch und Zusammenarbeit von KünstlerInnen und KuratorInnen zwischen den Regionen zu fördern. Mit einer Intervention im Aussenraum wird mit Christiane Hamacher in Stans eine Künstlerin aus der Romandie vorgestellt, deren Werk sich an den Schnittstellen von Kunst, Kultur und politischer Aktion verortet.

Christiane Hamacher im Nidwaldner Museum

Die Gartenanlage des Winkelriedhauses mit ihrem barockisierenden Grundriss ist akkurat gepflegt: Die Buchshecken sind sauber geschnitten, der Kies ohne Unkraut, die Rosen blühen üppig. In diese mathematisch-beschauliche Ruhe hinein «explodieren» Christiane Hamachers Wandzeichnungen, «Explosionen», 2003. In der chiffreartigen Sprache der Mangas entlädt sich auf den zwei Gartenmauern die geballte Energie einer Detonation und verändert damit die Wahrnehmung des Ortes. Quellende Wolken und Strahlenkränze suggerieren himmlische wie abenteuerliche, ja gewalttätige Szenarien.

Gestalterische Grundlage ist für Christiane Hamacher nicht nur hier der bereits existierende – mediatisierte – Bilderfundus. Sie wählt aus, kombiniert und holt die meist nur flüchtig wahrgenommenen Bilder mit ihrem fragilen Strich in die Intimität der konzentrierten Wahrnehmung zurück. Dabei ist der Kontext, der räumliche, soziale oder politische, ebenso Bestandteil ihres Konzeptes wie die ephemere Existenz der stets als Wandzeichnungen realisierten Arbeiten.

Christiane Hamacher agiert mit ihren Zeichnungen auch im Grenzbereich von Kunst und Politik: als Mitglied der Gruppe «Significans», die sich als Archiv, Informations- und künstlerisches Interventionsbüro versteht (www.significans.de). «Significans» realisiert Projekte, die den Umgang mit dem Fremden thematisieren. So entstand unter anderem in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin ein Aktionsbüro und eine Ausstellungsinstallation, welche die Kontrollsysteme, mit denen AsylantInnen und AusländerInnen diskriminiert werden, in einem entscheidenden Moment der politischen Debatte publik zu machen suchte. Hamacher intervenierte mit Wandzeichnungen, deren Vorlagen sie in den Gebrauchsanweisungen für Bluttest, DNA-Analysen und Speicheltests fand.

Trotz gesellschaftlichem Engagement bleibt Hamachers Fokus auch bei den «significans»-Projekten stets der einer Künstlerin, deren Interesse dem visuellen, sinnlich-emotionalen Zugang zur Welt gilt. Aus ihrem Zusammenhang isoliert und ins Zeichenhafte transformiert entfalten die von ihr verwendeten Realitätsausschnitte immer wieder für kurze Zeit ihr kritisches Potenzial. Sie schreiben sich in unsere Gegenwart ein und involvieren uns in ein Gespräch – über einen ästhetischen wie ethischen Zugriff auf die Welt.

Jusqu'à 
30.12.2003
Auteur(s)
Elisabeth Gerber
Artiste(s)
Christiane Hamacher

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