Fragments & Absences — Die blinden Flecken einer kolonialen Schweiz

Vana Kostayola and Sofia Kouloukouri, Women Telling The Future, Geneva. Foto: Anastasiya Chevr

Vana Kostayola and Sofia Kouloukouri, Women Telling The Future, Geneva. Foto: Anastasiya Chevr

Foto: Kabelo Malatsie ©VANSA

Foto: Kabelo Malatsie ©VANSA

Fabien Clerc, Souvenirs d’Haïti (Detail), 2020, Limoges Porzellan. Foto: Nathalie Rebholz

Fabien Clerc, Souvenirs d’Haïti (Detail), 2020, Limoges Porzellan. Foto: Nathalie Rebholz

Fragments & Absences — Die blinden Flecken einer kolonialen Schweiz

Bern — Einen Blick in die Zukunft gewähren die Künstlerinnen Sofia Kouloukouri und Vana Kostayola aus Athen vor dem Grand Palais in Bern interessierten Passantinnen und Passanten beim ‹Kaffeesatzlesen›. Diese Performance im Offspace in der Nachbarschaft der Kunsthalle verknüpft mit der Vorstellung des «Exotischen», von (Geschlechter)stereotypen und dem kolonialen Luxusgut geschickt gleich drei Problemfelder des breiten Programms von ‹Fragments & Absences›. Das zehntägige Festival inklusive Ausstellung, das in Bern stattfindet, ist eine Kooperation zwischen Universität und Offspace und behandelt Fragen von Provenienzforschung bis zu aktuellen Rassismen. Die Veranstaltung schliesst damit an die Schau ‹Exotic? Der Schweizer Blick nach aussen im Zeitalter der Aufklärung› in Lausanne an, wo grosse Teile des Rahmenprogramms aufgrund von Corona nicht stattfanden. 
Das Programm ist ein hybrides Format, wobei vieles physisch besucht werden kann, wie die Ausstellung: Sie zeigt unter anderem die partizipative Installation ‹Bateauthèque› von Marie van Berchem, welche die koloniale Vergangenheit ihrer Familie thematisiert. In ‹Geraniums are Never Red› beschäftigt sich Uriel Orlow dagegen in Postkarten wie Tapeten mit der Herkunft unserer nationalen Lieblingsblume. Sie fand ihren Weg erst im 17. Jahrhundert über die Niederländische Ostindien-Kompanie nach Europa.
Nur per Zoom zugänglich, jedoch für das Berner Publikum besonders interessant, ist das Gespräch ‹Contemporary Art in Bern and Beyond› mit Kabelo Malatsie, der designierten Direktorin der Kunsthalle Bern über den Gegensatz zwischen «lokaler» und «globaler» Kunstwelt. Neben wissenschaftlichen Vorträgen gibt es Lesungen und Gespräche mit Kunstschaffenden – reinzoomen oder vorbeigehen lohnt sich! Einen interessanten Reibungspunkt bildet dabei sicher am Sonntag 10. Oktober der Blick in eine Welt, wo Sklaven oder auch rassische Stereotype als besondere Vorlieben an der Tagesordnung sind – den Porno! – der in Zusammenarbeit mit den Porny Days in Zürich kritisch beleuchtet wird. 

 

 

expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Fragments & Absences 06.10.2021 - 10.10.2021 festival Bern
Schweiz
CH

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