Maurizio Cattelan & Pierpaolo Ferrari — Enter Through The Gift Shop

Maurizio Cattelan & Pierpaolo Ferrari · Toiletpaper Lounge, 2021, Ausstellungsansicht Grieder Contemporary, 2021 

Maurizio Cattelan & Pierpaolo Ferrari · Toiletpaper Lounge, 2021, Ausstellungsansicht Grieder Contemporary, 2021 

Maurizio Cattelan & Pierpaolo Ferrari · Toiletpaper Lounge, 2021, Ausstellungsansicht Grieder Contemporary, 2021 

Maurizio Cattelan & Pierpaolo Ferrari · Toiletpaper Lounge, 2021, Ausstellungsansicht Grieder Contemporary, 2021 

Maurizio Cattelan & Pierpaolo Ferrari · Toiletpaper Lounge, 2021, Ausstellungsansicht Grieder Contemporary, 2021 

Maurizio Cattelan & Pierpaolo Ferrari · Toiletpaper Lounge, 2021, Ausstellungsansicht Grieder Contemporary, 2021 

Maurizio Cattelan & Pierpaolo Ferrari — Enter Through The Gift Shop

Küsnacht — Als langjähriger Fan der Kunstzeitschrift ‹Toiletpaper Magazine› war ich sehr gespannt auf die ‹Toiletpaper Lounge› in der Galerie Grieder Contemporary in Küsnacht. Das ‹Toiletpaper Magazin› ist ein bildbasiertes Heft, welches 2010 von Maurizio Cattelan und Pierpaolo Ferrari gegründet und seither 18 Mal herausgegeben wurde. Es enthält poppige Found-Footage-Fotocollagen, die man verdutzt blinzelnd anschaut und die zum Nachdenken anregen. Dabei wird plakative Werbeästhetik mit surrealistischen Narrativen zusammengemixt. 

Die ‹Toiletpaper Lounge› bei Grieder Contemporary ist nun eine immersive Raumarbeit, die komplett von dieser Bildästhetik Cattelans und Ferraris geprägt ist: Die Wände sind mit Tapeten beklebt, es liegen Teppiche auf dem Boden, nebeneinander oder sich überlappend, an der Decke reiht sich ein Lampenschirm an den nächsten. Sessel, Kissen, Sofa, Salontische – alles bedruckt mit einzelnen Collagen von Cattelan und Ferrari. Die Sujets wiederholen sich, teils auch auf verschiedenen Trägermaterialien, etwa auf einem Teppich und auf einem Salontisch. Zwei Skulpturen von ungewohnter Haptik gesellen sich dazu: Eine überdimensionierte Seife aus Schaumstoff, die als Hocker fungieren könnte und die motivisch aus einer Fotocollage entnommen ist. Dazu ein, ebenfalls aus Schaumstoff nachgebildeter  Grabstein, auf dem «The End» geschrieben steht. Beide Arbeiten wurden von der wegweisenden italienischen Designfirma Gufram produziert und sind auf 200 bzw. 500 Stück limitiert. Die restlichen Ausstellungsstücke wurden in einer Kollaboration mit dem ebenfalls italienischen Möbelhaus Seletti produziert, unlimitiert, ein Merchandise Paradise für Fans. 

Die ‹Lounge› ist sehr einladend, ich setzte mich auf ein Sofa und studiere die Preisliste. Darin entdecke ich noch viel mehr Produkte wie Tassen, Taschen, Schlafmasken – Dutzende von Produkten, alle mit den wiederkehrenden Sujets aus dem ‹Toiletpaper Magazin›Ich habe keine Berührungsängste und fasse alles an, schreite über die Teppiche, es ist ein Erlebnis. Die Lounge hat keinen musealen Charakter, alles ist käuflich, der Raum reproduziert ein Kaufhaus – was eine Galerie letztlich ja auch ist. Mich beschleicht das Gefühl, dass hier Kritik an einem System geübt wird. 

Die Lounge ist Teil einer Installation, die 2016 an der Art Basel Miami, am Stand der Fondation Beyeler gezeigt wurde. Die Galerie Grieder Contemporary, wo dieser Ausschnitt nun zu sehen ist, ist einem «Salon» nachempfunden. Untergebracht ist die Galerie in einer Villa der 1950er – ein spätes Werk des Architekten Theodor Laubi –, inmitten eines Wohnquartiers in Küsnacht. Hier wird gearbeitet und gewohnt. Die Öffnungszeiten für die Öffentlichkeit sind auf Freitagvormittag beschränkt.

www.grieder-contemporary.com

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