Pandemie und wie weiter? — Barbara Breitenfellner

Barbara Breitenfellner, Traum: Meine Collagen hat sich jemand an die (Arbeits-)Kleidung geheftet. Viele kl. Katzen mit Rorschachmusterung. (Ob ich sie haben wolle?), Ausstellungsansicht Marianne Werefkin-Preis, Haus am Kleistpark, Berlin, 20. Mai - 28. Juni 2020. Foto: Friederike Feldmann

Barbara Breitenfellner, Traum: Meine Collagen hat sich jemand an die (Arbeits-)Kleidung geheftet. Viele kl. Katzen mit Rorschachmusterung. (Ob ich sie haben wolle?), Ausstellungsansicht Marianne Werefkin-Preis, Haus am Kleistpark, Berlin, 20. Mai - 28. Juni 2020. Foto: Friederike Feldmann

Pandemie und wie weiter? — Barbara Breitenfellner

In der Juni-Ausgabe des Kunstbulletin begann eine Serie von Interviews, die inmitten pandemischer Unterbrechung Künstlerinnen und Künstlern Gelegenheit bot, auf vorgängige Werke Bezug zu nehmen – und ihren Blick auf eine mögliche Zukunft der Kunst zu richten. Allen gemeinsam war die Anerkennung eines grundlegenden Wandels – der auch fällig wäre. Während nach und nach die Ausgangsbeschränkungen gelockert, die Grenzen geöffnet werden, macht sich ein Trend zur Verdrängung, zur Wiederherstellung des Gewohnten bemerkbar. Grund genug, die Serie in loser, chronologischer Folge hier fortzusetzen und weiter zu fragen, was wird, mit der Kunst. 

Wie ein auseinander fliegendes Bild
Sennewald: Für den Marianne Werefkin-Preis hast Du eine Weitere Arbeit entwickelt, die von Deinen Träumen ausgeht. Du befasst Dich über den Traum viel mit Innerem, mit Innerlichkeit – wie erlebst Du diese Zeit und welche Perspektiven gibt sie Dir?
Breitenfellner: Zunächst einmal geht es um eine doppelte Übersetzung: vom Traum zu einem Text, der dann wie eine Arbeitsanweisung für eine Installation dient: «Traum: Meine Collagen hat sich jemand an die (Arbeits-)Kleidung geheftet. Viele kl. Katzen mit Rorschachmusterung. (Ob ich sie haben wolle?)». Die kitschigen Porzellankatzen, die ich auf die Wand gehängt habe, mögen den Zeitvertreib mit Katzenvideos evozieren. Das Foto eines Strahlentierchens, das riesig vergrößert über die 5X9 Meter große Wand ragt, lässt an ein alles verschlingendes Virus denken. Aktueller scheint mir, dass diese Collage wie ein auseinander fliegendes Bild erscheint. Es geht mir nicht um Projektionen auf das Bild, sondern die abgründige Beziehung zwischen Mensch und Tier, wie sie Bilder und Figuren transportieren. Hier liegt eine wichtige Perspektive: diese Beziehung und deren Medien neu und anders auszuloten und zwar in einer Neuverhandlung, einer Neukombination von Ausstellungen, deren Räumen, Formaten, Kontexten und Begegnungsmöglichkeiten. Übrigens spielt auch auf diese Herausforderung für den Kunstbetrieb die Installation an: auf den Katzen steht in roter Schrift «sale»…
Berlin, 22. April 2020
https://www.barbara-breitenfellner.de/

J. Emil Sennewald, Kritiker und Journalist, unterrichtet an der Kunsthochschule ésacm in Clermont-Ferrand und der F+F Schule in Zürich, berichtet seit über 15 Jahren über Kunst aus Frankreich. emil@weiswald.comwww.weiswald.com

 

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