Léopold Rabus — Rencontres

Léopold Rabus · Homme trempant un tissu dans une flaque, 2016, Öl auf Leinwand, 230 x 300 cm, Courtesy Musée d’art et d’histoire Neuchâtel. Foto: Sully Balmasssière

Léopold Rabus · Homme trempant un tissu dans une flaque, 2016, Öl auf Leinwand, 230 x 300 cm, Courtesy Musée d’art et d’histoire Neuchâtel. Foto: Sully Balmasssière

Besprechung

Dunkles und Banales, Schönheit und Schrecken, Alltägliches und bizarre Spielereien verbinden sich in den Gemälden von ­Léopold Rabus. Das Musée d’art et d’histoire in Neuenburg ­widmet dem faszinierenden Maler unter dem Titel ‹Rencontres› eine opulente Ausstellung.

Léopold Rabus — Rencontres

Neuenburg — ‹Mann, einen Stoff in eine Pfütze tauchend›, 2016, heisst eines seiner Bilder, und der Titel beschreibt genau, was auf dem drei Meter breiten Ölgemälde zu sehen ist: ein Mann im weissen Unterhemd, der auf dem Boden kniet und ein ebenfalls weisses Stück Stoff in eine bräunliche Pfütze tunkt. Warum er das macht? Darüber gibt das Bild ebenso wenig Auskunft wie über den Ort des Geschehens, der buchstäblich dunkel bleibt. Eine einzige Lampe erhellt die nächtliche Szenerie, die nach Garten aussieht: Beete, Gras, eine Wand aus Brettern und dicker Klarsichtfolie, wie von einem Gewächshaus. Schliesst sich dieses um den knienden Mann, oder liegt es hinter ihm? Schwer auszumachen. Vieles scheint im Halbdunkel möglich. Ausgangspunkt der Malerei von Léopold Rabus (*1977) ist meist das Alltägliche und Unspektakuläre. Spaziergänge in der näheren Umgebung inspirieren ihn. Viele seiner Motive lassen sich im ländlichen Kanton Neuenburg verorten: Ein nachmittäglicher Stall, in dem Kühe ruhen, nächtliche Gemüsegärten, winterliche Felder, kleinbürgerliche Stuben – eigentlich genau das, was bereits der Malerei des 19. Jahrhunderts als Sujet diente. Und niemand wüsste das besser als Rabus, der sich intensiv mit der Kunstgeschichte befasst. Doch während sich Felder, Wälder und Stuben bei Albert Anker oder Alexandre Calame in bedeutungsvolle Idylle verwandeln, werden sie bei Rabus zu rätselhaften, manchmal auch aberwitzigen Bildern, in denen die meisterhafte Maltechnik einer verblüffenden Profanität der Motive gegenübersteht. Rabus zeigt verschmitzt eine Welt aus Bretterverhauen, Wäscheleinen und schief hängenden Gardinen, Schlamm und Matsch und welkendem Gemüse, in der dennoch ein seltsamer Zauber spürbar ist. Menschen graben sich bis zum Hals ins Erdreich ein, Katzen fliegen durch die Luft, und das rationale Denken, welches das Räderwerk der Ökonomie antreibt, macht eine Atempause. Die Bilder von Rabus erzählen von Unerklärlichem und erinnern an Novalis’ Definition des Romantischen: «Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.» Die mit wunderbarem Sinn fürs Theatralische eingerichtete Schau untermalt dieses romantische Prinzip in der Kunst von Léopold Rabus und setzt seine Gemälde mit Werken aus der Sammlung des Hauses in Dialog: mit stimmungsvollen Landschaftsbildern, aber auch mit kleinen kuriosen Objekten, die auf das Spielerische, das Humorvolle in ­Rabus’ Werk verweisen. 

Until 
08.03.2020
Exhibitions/Newsticker Dataordinamento crescente Tipo Località Paese
Léopold Rabus da 06.10.2019 a 08.03.2020 Ausstellung Neuchâtel
Schweiz
CH
Author(s)
Alice Henkes
Artisti
Léopold Rabus

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