I’ll Be Your Mirror

Ueli Berger · Ruderboot, 2002, Wellkarton geschichtet, 63 x 387 x 390 cm, Sammlung ­Stiftung Kunst(Zeug)Haus Rapperswil-Jona. Foto: Stefan Rohner

Ueli Berger · Ruderboot, 2002, Wellkarton geschichtet, 63 x 387 x 390 cm, Sammlung ­Stiftung Kunst(Zeug)Haus Rapperswil-Jona. Foto: Stefan Rohner

Bendicht Fivian, Eva Maria Gisler, Marlies Pekarek, Beni Bischof · Ausstellungsansicht  ‹I’ll Be Your Mirror – Wasser in der Sammlung Bosshard›, Kunst(Zeug)Haus Rapperswil-Jona. Foto: Andri Stadler.

Bendicht Fivian, Eva Maria Gisler, Marlies Pekarek, Beni Bischof · Ausstellungsansicht  ‹I’ll Be Your Mirror – Wasser in der Sammlung Bosshard›, Kunst(Zeug)Haus Rapperswil-Jona. Foto: Andri Stadler.

Hinweis

I’ll Be Your Mirror

Rapperswil — Es tropfte vom Himmel auf den Schirm, es floss unter der Türe hindurch in den Keller, und es ist im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil in gut drei Dutzend Werken aus der Sammlung Bosshard präsent: Wasser. ‹I’ll Be Your Mirror› nimmt die erste Zeile aus dem gleichnamigen Lied der Kultband Velvet Underground auf und öffnet das Thema. Schon beim Eingang gilt es, Wind und Wetter zu beachten: Im Foyer an die Wand gelehnt steht ‹Vor dem Sturm› von Thomas Schiendorfer (*1963), ein Ölgemälde von grosser Wucht und Detailtreue, das einen aufgewühlten See unter einer drohenden Wolkenkulisse zeigt. Das 2003 entstandene Werk nahm schon fast prophetisch die vielen stürmischen Tage des vergangenen Sommers vorweg. Wer sich trotzdem auf das Wasser wagen will, nimmt dafür besser nicht das ‹Ruderboot› von Ueli Berger (1937–2002), denn die Kartonkonstruktion ist nur bedingt schwimmfähig. Ein veritables Trompe-l’œil präsentieren Lutz & Guggisberg mit ihren ‹Maske› und ‹Maske II›. Andreas Lutz (*1968) und Anders Guggisberg (*1966) lassen ihre Holzskulpturen senkrecht an der Wand befestigt als Abbilder von Kon-Tiki erscheinen – bei näherem Hinsehen und in horizontale Lage gedacht werden daraus Modelle grosser Containerschiffe. Ganz klein sind hingegen die Werke des gelernten Matrosen Peter Bräuninger (*1948). Seine nur 7,4 x 4 cm messenden Radierungen nächtlicher Häfen und Städte sind dunkel getönt und evozieren Stimmungen zwischen Ankunft und Abreise, zwischen Fahrt des Schiffes und Liegen auf der Werft. Zwischen Land und Wasser ist auch ‹From here you can almost see the sea› angesiedelt, eine Fotografie von Eva Maria Gisler (*1983). Sie stellt ein Gebäude ganz ohne Strand in den Fokus. Vom Wasser aus Richtung Land fotografiert Barbara Heé (*1957). Sie dokumentiert seit über 20 Jahren den Silsersee. In ‹Chaviolas 1–4› ist ein Ausschnitt aus dem Werk voller malerischer Spiegelungen präsentiert. Wasser ist der wichtigste Baustein des Planeten und für uns unverzichtbar – die Ausstellung lädt uns ein, den Umgang damit zu überdenken. Was bleibt, wenn das Wasser verschwunden ist? Wüste, wie auf einer der ‹Abgemalten Postkarten› von Andreas Hofer (1956)? Wem es ob des Themas sturm geworden ist – der Boden des Ausstellungsraums in diesem geschichtsträchtigen Gebäude ist nicht ganz plan – kann sich einen Stock höher auf die sichere Insel der tollen Robinson-Bibliothek retten.

Until 
27.02.2022

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