The Poetry of Translation

Leander Schwazer · Das Kapital, 2011, Metall und Papier

Leander Schwazer · Das Kapital, 2011, Metall und Papier

Annika Kahrs · Playing to the Birds, 2013, HD-Film. Foto: Ivo Corra

Annika Kahrs · Playing to the Birds, 2013, HD-Film. Foto: Ivo Corra

Hinweis

The Poetry of Translation

Meran — Die Antrittsausstellung der Tübinger Kunsthistorikerin Judith Waldmann, die von der Schweizerin Christiane Rekade die künstlerische Leitung von Kunst Meran übernommen hat, widmet sich dem komplexen Prozess der Übersetzung. Anhand von mehr als 70 Arbeiten von über 30 Kunstschaffenden nähert sich ‹The Poetry of Translation›, so der Titel der Gruppenschau, unter anderem dem interethnischen Zusammenleben sowie dem Austausch und dem Übersetzen zwischen den Kulturen an. Die Systeme werden dabei sowohl unter dem Aspekt der Kreativität, Verständigung, Identität oder Poesie als auch als Verursacher von Ausgrenzung und Missverständnissen beleuchtet. Wobei nach der Intention Waldmanns Übersetzung stets als kreativer Prozess verstanden werden soll, bei dem auch immer etwas Neues entsteht. Der Künstler Leander Schwazer (*1982, Sterzing) etwa, der unter anderem in Zürich Kunst studiert hat, hat ‹Das Kapital› von Karl Marx in Lochkarten-Codes umgewandelt. Eine Spieluhr, durch die der Lochkartenstreifen geführt wird, liest die eingestanzte Codierung ab und übersetzt die Kritik Marx’ an der kapitalistischen Gesellschaft in Musik.
Auch im Schaffen des Medienkünstlers Anri Sala (*1974, Tirana) spielen musikalische Phänomene eine übergeordnete Rolle. In seinem Video ‹Answer me› versucht eine Frau die Beziehung zu ihrem Freund zu beenden. Ihrer wiederholten Aufforderung «Answer me» begegnet er mit Trommelschlägen. Der Dialog des Paares läuft also in zwei unterschiedlichen Systemen ab, nämlich Sprache und Musik. Sala zufolge wird Sprache viel zu häufig benutzt, um die Wahrheit zu verschleiern.
Die deutsche Video- und Performancekünstlerin Annika Kahrs (*1984, Achim) wiederum lässt das von Franz Liszt komponierte Klavierstück ‹Legende Nr. 1 – Die Vogelpredigt des Franz von Assisi›, in dem er Vogellaute in Musik transferiert, von einem Pianisten in einem Konzertsaal spielen. Allerdings besteht das Publikum nicht aus Menschen, sondern aus Singvögeln, die solcherart der menschlichen Interpretation ihrer Sprache lauschen. Eine Rückkoppelung unterschiedlicher Zeichensysteme.
Politisch wird es bei dem aus der Schweiz stammenden französischen Künstler Ben Vautier (*1935, Neapel). Anhand seines Siebdrucks auf Stoff ‹Ethnies en lutte pour le droit à la difference› setzt er das Recht ethnischer Gruppen, für ihr Anderssein zu kämpfen, als Sprachbild um.

Until 
13.02.2022

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