101 x Frau

Ausstellungsansicht mit Gebirge aus Stapelkisten, Schalltrichter von Corin Curschellas und Höhenangaben an der Stütze. Foto: ­Gaudenz Danuser

Ausstellungsansicht mit Gebirge aus Stapelkisten, Schalltrichter von Corin Curschellas und Höhenangaben an der Stütze. Foto: ­Gaudenz Danuser

Ausstellungsansicht mit Gebirge aus Stapelkisten, Schalltrichter von Corin Curschellas und Höhenangaben an der Stütze. Foto: ­Gaudenz Danuser2

Ausstellungsansicht mit Gebirge aus Stapelkisten, Schalltrichter von Corin Curschellas und Höhenangaben an der Stütze. Foto: ­Gaudenz Danuser2

Hinweis

101 x Frau

Flims — Ihre Bäbi seien auf dem Bänkli gesessen und hätten ihr beim Spielen mit Bauklötzen zugeschaut, wird Monica Brügger zitiert. Die Churerin war die erste Bündner Architektin und ist eine der 101 Frauen, die im weiss gestrichenen ‹Gelben Haus› porträtiert werden. Die Ausstellung auf den drei Stockwerken des markanten Baus ist als kuratorischer Kniff topografisch nach Höhenmetern geordnet: Sie beginnt bei der in Lübeck 13 Meter über dem Meeresspiegel lebenden Schauspielerin ­Rebecca Indermaur und findet ihren Gipfel 2560 Meter höher unter dem Dachgiebel bei Caroline Zimmermann in der Tschiervahütte.
Auf den Eichenböden türmen sich Gebirge aus weissen Stapelkörben, zwischen denen sich Täler erkunden lassen. Die Körbe enthalten persönliche Gegenstände der Frauen, von den ­roten Schuhen der Damen der ‹Fränzlis da Tschlin› über Sanddornstauden von Margrit Hartmann, die wilden Sanddorn erntet und verarbeitet, bis zu Werkzeugen von Eva Gredig, Schindelmacherin aus Safien Thalkirch. Ein Bild aus dem Büro von Anna Giacometti lässt das Drama des Bergsturzes von Bondo wieder präsent werden. Sie war zur Zeit des Unglücks im August 2017 Präsidentin der Gemeinde Bregaglia.
Pionierinnen wie die Fotografinnen Ruth Licht aus Arosa und Lisa Gensetter, deren Nachlass von einem Estrich gerettet werden konnte, erhalten in diesem weit gespannten Panorama ebenso Platz wie die Zuozer Maturandin Anna Sidonia Marugg. Sie ging Spuren von Mikroplastik in den Oberengadiner Gewässern nach und wurde selbst an der Quelle des Inns fündig. Im kleinen Kellerkino singt Corin Curschellas einen aktuellen Alpsegen im Walserdialekt. In der Biografie der Künstlerin schwingt mit, was vielen anderen Lebensläufen gemeinsam ist: ‹Increschantüm›, das Heimweh, diese starke Kraft, welche die Frauen zurück nach Graubünden zieht.
Nicht nur Rückkehrerinnen sind porträtiert, sondern auch Zuzügerinnen wie Hrund Hanna Thor, als Skaterin verantwortlich für wilde Ritte im Snowpark, oder Sharifa Temori aus Masar-e Sharif in Afghanistan, heute als beste Nusstortenbäckerin des Dorfes anerkannt. Die Köstlichkeit ist in der Metzgerei vis-à-vis des Gelben Hauses erhältlich.
Es gibt sehr viel mehr zu entdecken, als ein erster Blick den Anschein macht, und man(n) sollte genug Zeit einplanen für den Besuch; Geduld wird reich belohnt. Ein Katalog wurde leider nicht erstellt, dafür wird eine kleine Auswahl an Büchern zum Thema präsentiert.

Until 
24.10.2021

→ Gelbes Haus Flims, bis 24.10., in der ­Zwischensaison reduziert geöffnet ↗ www.dasgelbehausflims.ch

Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
101 × Frau da 20.12.2020 a 24.10.2021 Ausstellung Flims Dorf
Schweiz
CH

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