Liselotte Moser

Liselotte Moser · Selbstporträt, 1935, Öl auf Leinwand, 39 x 33 cm. Foto: Christian Hartmann

Liselotte Moser · Selbstporträt, 1935, Öl auf Leinwand, 39 x 33 cm. Foto: Christian Hartmann

Liselotte Moser · O.T. (Palmer Avenue im Winter), 1936, Öl auf Leinwand, 91 x 106 cm. Foto: Christian Hartmann

Liselotte Moser · O.T. (Palmer Avenue im Winter), 1936, Öl auf Leinwand, 91 x 106 cm. Foto: Christian Hartmann

Hinweis

Liselotte Moser

Stans — Markante Gesichtszüge, wache und weit geöffnete Augen, auf dem Kopf ein samtener grüner Schlapphut: Die 29-jährige Malerin steht vor einem Bücherregal und blickt uns direkt in die Augen. Ein Jahr später schaut sie aus dem Fenster ihrer Wohnung im amerikanischen Detroit hinab auf die nächtliche Palmer Avenue. Im Schnee werfen Passanten und Bäume lange Schatten. Die Menschen sind zu Hause in ihren hell erleuchteten Wohnungen. Die Bilder stammen von Liselotte Moser (1906–1983). Auch in der Innerschweiz kennt sie kaum jemand, obwohl sie in Luzern geboren wurde, hier die Jugendjahre verbrachte und die letzten Lebensjahre in Stans wohnte. Von 1927 bis 1965 lebte sie in Detroit, wo ihre Mutter Adèle Weibel als einflussreiche Textilforscherin und Kuratorin für Textilien am Detroit Institut of Arts tätig war. Dieser Umstand ist insofern wichtig, als das Zusammenleben mit der Mutter ihr Zugang zu wichtigen Persönlichkeiten des kulturellen Lebens verschaffte. Wichtig für ihre Biografie und auch ihre Kunst ist aber auch, dass sie als Kind an Kinderlähmung erkrankte. Sie blieb in ihrer Mobilität eingeschränkt und konnte nur mit Stöcken selbstständig gehen. Sie genoss wohl eine fundierte Künstlerinnenausbildung, musste sich in ihren Sujets aber auf wenige Spezialgebiete zurückziehen, denen sie sich zu Hause widmen konnte – auf die Porträtmalerei, die sie ausgezeichnet beherrschte, im Bereich von Landschaften auf den Blick aus dem Fenster, auf Naturstudien (Blumen, Insekten Schmetterlinge), in den im Zusammenhang mit der Tätigkeit der Mutter entstandenen gestickten Textilarbeiten auf Mythologisches.Der umfangreiche Nachlass Mosers gehört der Gemeinde Stans und befindet sich im Nidwaldner Museum. Hier richtet nun Jana Bruggmann der Künstlerin, die in den USA Erfolge verbuchen konnte, zu Hause aber bis heute weitgehend unbekannt blieb, eine Retrospektive ein. Verdienstvoll lenkt sie anhand breit gefächerter Werke die Aufmerksamkeit auf ein eindrückliches Künstlerinnenschicksal: Liselotte Moser war talentiert, technisch versiert (auch in den an Epper gemahnenden Holzschnitten) und in manchen Teilen dem scharfen Realismus der amerikanischen Malerei verpflichtet – ohne sozialkritische Komponente allerdings, dafür aber erfüllt von einer positiven, im Kampf gegen die Krankheitsfolgen gestärkten Lebens­energie. Dass sie in der Schweiz nicht an ihre Erfolge in den USA anschliessen konnte, gibt ihrem Werk eine tragische Note: Im Umfeld der späten 1960er- und der 1970er-Jahre – einer Zeit des Aufbruchs in die Avantgarde bis hin zur Konzeptkunst, aber auch des Rückzugs auf Privates und Intimes – war ihrer Arbeiten ein breites Echo vergönnt. Wie aus in der Ausstellung präsentierten Dokumenten hervorgeht, blieben aber auch ihr Strömungen wie zum Beispiel gestische Abstraktion weitgehend verschlossen. 

Until 
30.10.2022

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