Helmhaus Zürich — ‹Auf der Suche› ‹Nach…› Widersprüchen

Marina Belobrovaja · Warm Glow, 2014, Doc, 50’, Filmstills

Marina Belobrovaja · Warm Glow, 2014, Doc, 50’, Filmstills

Marina Belobrovaja · Warm Glow, 2014, Doc, 50’, Filmstills

Marina Belobrovaja · Warm Glow, 2014, Doc, 50’, Filmstills

Besprechung

Zwei Ausstellungen, vier Kuratierende, bis auf weiteres dreizehn Künstler und Künstlerinnen. Noch bis Januar 2020 will das Helmhaus Zürich unsere Blicke auf die Vielfältigkeit(en) der hiesigen Kunstszene lenken. Über den Besuch eines Experimentalformats mit (noch) offenem Ende.

Helmhaus Zürich — ‹Auf der Suche› ‹Nach…› Widersprüchen

Zürich — Ich sitze am Boden des nach frischer Wandfarbe duftenden White Cube. Eine Künstlerin – beeindruckend wach angesichts der Ausstellungseröffnung am Vorabend – berichtet im ‹Talk› mit einer Kuratorin von den Inhalten ihrer Arbeit. Einen Grossteil des Gesprächs habe ich verpasst. Etwas ziellos gleitet mein Blick über die kleine Gruppe, die da, ebenfalls am Boden sitzend, den Ausführungen der beiden Frauen lauschen. Man kennt das. Aufmachung und Auftreten der Anwesenden. Die Beflissenheit des Gesprächs. Die Art und Weise des Fragens aus dem Publikum: bisschen exzentrisch, theoretisch belesen, auf gekonnt versteckte Weise mit den Gepflogenheiten des Bildungsbürgertums verknüpft. Ich verschränke die Füsse unter meinen Beinen. Muss ja nicht jede*r sehen, dass auch ich heute Morgen bewusst nach meinen sonnengelben Socken gegriffen habe. Das hier soll – so der Ausstellungstext – eine vorurteilsfreie, Privilegien hinterfragende, Fehler zulassende Gruppenausstellung mit zwei Kapiteln sein und werden. Vier Kuratierende mit bisher 13 Kunstschaffenden sind ‹Auf der Suche› (Teil 1) ‹Nach Zürich› (Teil 2). Nach dem «Anderen», Stillen, Verstörenden, Überraschenden – all dem jenseits des Altbekannten. Und ich bin überrascht. Von der disparaten Vielzahl des hier Gezeigten. Von Arbeiten, die sich trauen, im ukrainisch-schweizerischen, schweizerisch-ukrainischen Dazwischen zu verharren (Marina Belobrovaja, ‹Warm-Glow›, Dokumentarfilm, 2014). Von Versuchsanordnungen, die von transkolonialer Aneignung und hybrider Re-Aneignung erzählen – auf den Spuren der väterlichen Kunst im Druckgewerbe ­Indiens (Mara Züst, ‹Kolkata – City of Print›, Installation, Buch, 2019). Ich bin verstört vom Werk einer Künstlerin, die Ästhetik findet, wo Rheuma wütet und ihr die Hand zerstört (Alejandra Jean-Mairet, ‹The right hand›, 2019). Und möchte Liliane Csuka (84) und Amina Nabi (22) treffen, kennenlernen und beiden Fragen stellen – zu pinkfarbenen Penissen (Liliane Csuka, ‹Penis, geringelt›, Objekt aus Tonal, undatiert) und mehr als punktgrossen Klitoriden (Amina Nabi, Diverse Werke, 2013–2019). Zwischendurch möchte ich auch ein bisschen schreien. Wenn das zu Sehende klebt wie ein Pott süs­ser Honig – mich überzeugen will von der Macht der Kunst sui generis. Aber ich schreie nicht. Es wäre unpassend. Später laufe ich einem weiteren Protagonisten aus dem Team der Kurator*innen über den Weg. Er ist im Gespräch. Ein ruhiges, vertieftes Gespräch, wie mir scheint. Es erinnert mich daran, dass das hier insgesamt ein Setting der guten Sorte ist. Eines voll von Widersprüchen … 

Until 
17.11.2019

→ ‹Auf der Suche›, Helmhaus Zürich, bis 17.11.; ‹Nach Zürich›, 6.12.2019–26.1.2020 ↗ www.helmhaus.org

Exhibitions/Newsticker Dataordinamento crescente Tipo Località Paese
Auf der Suche da 27.09.2019 a 17.11.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH

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