Resonating Spaces — Raumkompetenz avant la lettre

Leonor Antunes · Resonating Spaces, Installationsansicht Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 2019.  Foto: Stefan Altenburger

Leonor Antunes · Resonating Spaces, Installationsansicht Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 2019.  Foto: Stefan Altenburger

Susan Philipsz · Triplofusus giganteus, Grosse Pferdeschnecke, Florida; aus dem Archiv von ­SusanPhilipsz im Zusammenhang mit der Installation The Wind Rose, 2019, Courtesy Tanya Bonakdar ­Gallery, New York, und Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin. Foto: Eoghan McTigue

Susan Philipsz · Triplofusus giganteus, Grosse Pferdeschnecke, Florida; aus dem Archiv von ­Susan
Philipsz im Zusammenhang mit der Installation The Wind Rose, 2019, Courtesy Tanya Bonakdar ­Gallery, New York, und Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin. Foto: Eoghan McTigue

Besprechung

Mit Räumen zu arbeiten, ist eine Auseinandersetzung mit Klang, Realität, Sichtbarkeit und vielem, was Fragen aufwirft und sich der Sprache entzieht. Fünf Künstlerinnen, deren Schaffen eine «prozesshafte Qualität von Räumlichkeit» eigen ist, stellen auf Einladung von Theodora Vischer erstmals gemeinsam aus.

Resonating Spaces — Raumkompetenz avant la lettre

Basel/Riehen — Wie ein Riegel lagert der Bau von Renzo Piano zwischen Strasse und Landschaft. Er öffnet sich als Tageslichthaus mit Fensterfronten nach Norden und Süden. Das Foyer ist Verkehrsfläche. Hier beginnt die Ausstellung mit ‹Filter›, einer Sound-Arbeit von Susan Philipsz, die 1998 für einen Busbahnhof in Belfast konzipiert wurde. Ein Chorus melancholischer Pop-Songs mischt sich in 15-minütigen Abständen in einen Cluster aus Stimmen und Geräuschen. Die weiss gestrichenen Wände der beiden ersten Räume sind Träger einer Auswahl an Gemälden und monumentalen Papierarbeiten von Toba Khedoori. Die Motive verweisen auf architektonische Elemente wie Keramikfliesen, Schiebefenster, Metallgitter sowie auf Bäume oder Gewitterwolken. Der von Leonor Antunes eingerichtete nächsten Raum enthält gedrehte Seile, filigrane Metallkonstruktionen und Gewebe als Materialien einer skulpturalen Sprache, die sie sukzessive weiterentwickelt. «Ich stelle mir mein Werk immer als ein bewegliches vor. Mich interessiert, was mit ihm geschieht, wenn es in einem anderen Kontext gezeigt wird.» Für die Fondation adaptierte sie das Vokabular aus Paravents, metallenem Wandbehang, Deckenarbeiten und Stelen, das vorher im Hangar Bicocca in Mailand gezeigt wurde, und liess einen Linoleumboden in Gio Pontis «giallo fantastico» verlegen, der sich auf eine Grafik von Anni Albers bezieht. Auch die Auseinandersetzung mit Architektinnen wie Carla ­Porset, Lina Bo Bardi, Franca Helg prägt ihr Werk. Mit der Linie, der sie über die Jahre immer mehr zutraute, bespielt Silvia Bächli zwei gleich grosse, aneinandergrenzende Räume, die jeweils der Grundfläche ihres Ateliers entsprechen. Philipsz wiederum hat für ‹Resonating Spaces› ihre Recherche zu Beschreibungen und Darstellungen von Wind auf zwölf Töne reduziert und Tonaufnahmen von Schneckenhörnern erzeugt, die über Lautsprecher in den Raum dringen. Rachel Whiteread reagiert mit ihrer Installation auf Balthus’ Gemälde ‹Passage du Commerce-Saint-André› von 1952/1953. Der Katalog reichert die Ausstellung mit diskreten Überlegungen und Informationen zu den Künstlerinnen und ihrer Arbeitsweise an. Theodora Vischer taucht dabei als Gesprächspartnerin und Kollaborateurin auf. Den Erfahrungen mit der Ausstellung und den Räumen labiler Ordnung wird nichts vorweggenommen. Sie können sich parallel dazu widerständig und nachdenklich entfalten. 

Until 
26.01.2019
Exhibitions/Newsticker Dataordinamento crescente Tipo Località Paese
Resonating Spaces da 06.10.2019 a 26.01.2020 Ausstellung Basel/Riehen
Schweiz
CH

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