Les Indépendances

Franz Eggenschwiler · Lanzetten, 1974, Eisen, Stahl, Glas, Acryl

Franz Eggenschwiler · Lanzetten, 1974, Eisen, Stahl, Glas, Acryl

Ilse Weber · Der Pinsel, 1983, Mischtechnik

Ilse Weber · Der Pinsel, 1983, Mischtechnik

Hinweis

Les Indépendances

Genf — Anton Meier zeigt im Dezember die allerletzte Ausstellung in seiner Galerie, die in den fast fünfzig Jahren seiner unermüdlichen Aktivität von einem Untergeschoss an einer Strassenecke in die grosszügigen Räumlichkeiten in der Beletage des früheren Musée de l’Athénée wanderte. Vor seinem Rückzug aus Altersgründen versammelt er dort nun noch einmal die Kunstschaffenden, denen er über besonders viele Jahre eine Sichtbarkeit gegeben hat. Die Abschiedsschau von Anton Meier prägt zunächst die Hommage an den der starken Berner Szene entsprungenen und bald international verkehrenden Installationskünstler, Musiker, Dichter und Denker Dieter Roth (1930–1998). Programmatisch steht er für eine Galerie, die auf Persönlichkeiten fokussiert, deren Werke zwar sehr zeitgemäss wirken, sich aber kaum einer Schule zuschreiben lassen. Letztlich zeigt sich jedoch bei vielen von ihnen eine grundlegende Inspiration durch die Verflüssigung zwischen Figuration und Geometrie mit surrealistischem Einschlag, inspiriert vielleicht von dem in Bern geborenen und zuletzt wieder dort gestrandeten Avantgardekünstler Paul Klee (1879–1940).
Franz Eggenschwiler (1930–2000) hat ­diesen Ansatz beispielsweise in Assemblagen übertragen, die zwischen Objet trouvé und Bricolage hin und her schwingen und dabei den ländlichen Produktionskontext in seinem Atelier im Emmental offenlegen. In seiner Arbeit ‹Lanzetten›, 1974, findet sich etwa ein bäuerliches Werkzeug in einem rostigen Rahmen zwischen Stahl und Glas eingesargt. Insgesamt nicht weniger als 14 weitere formal und geistig gleichermassen bewegliche Kunstschaffende aus der Schweiz, aber auch aus Südeuropa und Ostasien schliessen sich an, deren mediales Selbstverständnis jedoch auffallend unterschiedlich ist. Sie reichen vom ausgesprochenen Skulpteur und Graveur Henri Presset (1928–2013) über die sich unerlässlich zwischen Malerei und Zeichnung bewegenden Ilse Weber (1908–1984) und Hans Schärer (1927–1997) bis zum eigentlichen Kalligrafen Franklin Chow (*1946) und zur exklusiven Fotografin Annelies Štrba(*1947). Nun sind jüngere Fachleute und Liebhaber/-innen gefragt, um die Genese ihrer Werke weiter so sensibel zu begleiten und in die Annalen der Kunstgeschichte zu schreiben, wie dies Anton Meier über Jahrzehnte so selbstverständlichen getan hat. 

Until 
11.12.2020

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