Robert Frank

Robert Frank · Landsgemeinde, Hundwil 1949, Courtesy Pace/MacGill Gallery, New York © Andrea Frank Foundation

Robert Frank · Landsgemeinde, Hundwil 1949, Courtesy Pace/MacGill Gallery, New York © Andrea Frank Foundation

Robert Frank · City fathers – Hoboken, New Jersey, 1955, Courtesy Pace/MacGill Gallery, New York © Andrea Frank Foundation

Robert Frank · City fathers – Hoboken, New Jersey, 1955, Courtesy Pace/MacGill Gallery, New York © Andrea Frank Foundation

Hinweis

Robert Frank

Winterthur — Sie zeigt gleich wieder ihre Wirkung: die grosse erzählerische Kraft, die vom Werk Robert Franks ausgeht. Keine Geschichten, die einen Anfang und ein Ende haben, sondern Geschichten, die mitten hinein ins Leben führen und ausschnitthaft etwas sichtbar machen, das immer «irgendwie» von grundlegender Bedeutung ist. Franks erzählerische Kraft, die im Zentrum dieser Ausstellung steht, hat auch Jahrzehnte später nichts an Aktualität eingebüsst, und es ergeht uns ähnlich wie dem eine Generation älteren Gotthard Schuh, der an den jungen Frank schreibt: «Ich kenne Amerika nicht, doch erschrecken mich deine Aufnahmen, weil du darin mit visionärer Wachsamkeit Dinge aufzeigst, die uns alle angehen.»
Unverstellt, schonungslos, subjektiv, ehrlich und immer von Intuition getragen, das ist die Bildsprache des schweizerisch-amerikanischen Fotografen Robert Frank, der 2019 mit fast 95 Jahren starb. Die von Martin Gasser kuratierte Schau zeigt anhand von über hundert Fotografien, ergänzt von Kontaktabzügen, Büchern und Dokumenten, wie Frank sich seine sehr persönliche Handschrift erarbeitet: als wären es nicht Bilder, die mit einer Kamera gemacht wurden, sondern direkt mit den Augen dessen, der unterwegs ist. Das belegen schon die 1948 in Peru entstandenen Aufnahmen. Auch hier bemerkt man, wie wenig später in der Bildgeschichte mit schnappschussartigen Impressionen von der Ausserrhoder Landsgemeinde, dass Frank nicht in schönen Einzelbildern denkt – zu erwähnen auch, dass er seine Fotografien beschneidet, stark aufhellt oder verdunkelt –, sondern aus einer Bewegung heraus, einer physischen und emotionalen Bewegung. «New York made me», wird der Auswanderer Frank später sagen, der mit seiner kritischen Sicht auf Amerika viele Amerikaner vor den Kopf stossen sollte.
Zuvor aber entstehen die Bilder für das Buch ‹Black White and Things›, die Ausstellung zeigt alle 34: atmosphärisch die meisten, manche sehr poetisch, malerisch auch; in schöner Abfolge, offen, sodass man einiges hineininterpretieren kann; voller Entdeckerblick. Dann folgt die definitive Ankunft in den USA und das Buch der Bücher, «dieses vielleicht einflussreichste Buch der Fotogeschichte» (Gasser): ‹The Americans›, 1958 in Paris, 1959 in New York erschienen. Kein «spontaner Geniestreich», sondern aus mehrjähriger Erfahrung erwachsen. Da erhält man einen Eindruck davon, wie Frank die 83 ikonischen Fotografien aus einer Fülle von über 20’000 Aufnahmen für sein Buch ausgewählt hat; sieht andere von ebensolcher Qualität. Und erkennt den bei Frank häufigen Doppelblick, der dem Fragwürdigen Raum gibt. – Zusammen mit vier Filmen und der erhellenden Begleitausstellung ‹Robert Frank: Books and Films, 1947–2019› kommt man dem Werk des wilden Poeten nah. 

Until 
10.01.2021
Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Robert Frank – Memories da 12.09.2020 a 10.01.2021 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH

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