Art as Connection — Kunst als sozialer Kitt

Clare Goodwin · environment 1 / Model Home, 2021, Installation, diverse Materialien, Dimension variabel, Courtesy Galerie Lullin+Ferrari, Zürich, Ausstellungsansicht ‹Art as Connection›, Aargauer Kunsthaus, Aarau. Foto: Dominic Büttner

Clare Goodwin · environment 1 / Model Home, 2021, Installation, diverse Materialien, Dimension variabel, Courtesy Galerie Lullin+Ferrari, Zürich, Ausstellungsansicht ‹Art as Connection›, Aargauer Kunsthaus, Aarau. Foto: Dominic Büttner

RELAX (chiarenza & hauser & co) · Health Complex, 2021, Videoinstallation, diverse Materialien, ­Ausstellungsansicht ‹Art as Connection›, Aargauer Kunsthaus, Aarau. Foto: Dominic Büttner

RELAX (chiarenza & hauser & co) · Health Complex, 2021, Videoinstallation, diverse Materialien, ­Ausstellungsansicht ‹Art as Connection›, Aargauer Kunsthaus, Aarau. Foto: Dominic Büttner

Besprechung

Wie Kunstschaffende auf die Irritationen und Zumutungen in den vergangenen Pandemie-Monaten reagierten, zeigt eine ­offen angelegte, experimentelle Schau im Aargauer Kunsthaus. Deutlich wird: Gemeinsame künstlerische Aktivitäten haben ­geholfen, «in Verbindung» zu bleiben.

Art as Connection — Kunst als sozialer Kitt

Aarau — Eine Landesgrenze zu passieren, schien bis 2020 sehr einfach, wenn man im Besitz gültiger Papiere war. Dass dem nicht überall so war und ist, vedeutlicht die Installation der staatenlosen Künstlerin Mirkan Deniz (*1990). Sie erkundet jene Grenzen, die für die kurdische Bevölkerung in den Ländern Türkei, Iran, Irak und Armenien teils unsichtbar durch ihr Gebiet verlaufen. Die Unsichtbarkeit ist umso gefährlicher, als jede Übertretung tödliche Folgen haben kann. Auf die militärische Sicherung der Übergänge deuten die abstrahierten Bauten hin, welche die Künstlerin in dreihundert reduzierten Handzeichnungen nach Recherchen auf Google Earth festgehalten hat.
Im Vergleich dazu stellt sich die vorübergehende Grenzschliessung der Schweiz im Corona-Lockdown als ziemlich harmlos dar. Und trotzdem war während der Pandemie das Gefühl von Unsicherheit und Verletzlichkeit gross. Umso stärker daher der Impuls, Trost im eigenen Daheim zu finden. Darauf bezieht sich Claire Goodwin (*1973) in ihrem ‹Environment›: selbstgemachte Möbel, ordentlich platziert vor einer für Goodwin typischen Hard-Edge-Wandmalerei, strahlen eine seltsame Mischung aus Nüchtern und Kleinkariert aus. Nüchtern ist auch der von RELAX gestaltete Raum, in dem Marie-Antoinette Chiarenza (*1957) und Daniel Hauser (*1959) die Arbeitsbedingungen und die mediale Rezeption von Pflegenden aufgreifen. Die Frage stellt sich hier, ob das Pflegepersonal während Covid zum Verbrauchsmaterial geworden ist, genau wie ihre blaue, weisse oder grüne Arbeitskleidung.
Und wie sind die Auswirkungen des Lockdowns auf den Klimawandel? Das Blau des Himmels scheint jedenfalls nicht grauer geworden zu sein, wie Aufnahmen von Christina Hemauer (*1973) und Roman Keller (*1969) zeigen. Vor ihrem Zürcher Atelier fotografierten sie täglich den meist blauen Himmel – ohne Flugkondensstreifen. Das erneute Zusammenkommen, nachdem die Pandemie viele in die Isolation gezwungen hatte, kann unterschiedliche Formen annehmen: Den Auftakt zu ‹Art as Connection› im Aargauer Kunsthaus signalisieren die schwebenden, teils verschränkten, teils geballten, teils ausgestrecken Hände von Sabian Baumann (*1962). Und wie sich die wiedergewonnene Nähe anfühlt, wird spätestens im Clubbing-Raum von Gregory Stauffer (*1980) deutlich, wo man noch kurz abtanzen kann. 

Until 
09.01.2022

→ Aargauer Kunsthaus, bis 9.1.; ‹Dance Days› mit Gregory Stauffer, jeweils donnerstags, 17.30 Uhr ↗ www.aargauerkunsthaus.ch

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