Claudia Andujar

Claudia Andujar · aus der Serie ‹Portäts›, in der Nähe von Catrimani, Bundesstaat Roraima, Brasilien, 1976, Schwarzweissaufnahme

Claudia Andujar · aus der Serie ‹Portäts›, in der Nähe von Catrimani, Bundesstaat Roraima, Brasilien, 1976, Schwarzweissaufnahme

Claudia Andujar · Mann in einer Hängematte aus Baumrinde, Catrimani, Bundesstaat Roraima, Brasilien, 1974, Schwarzweissaufnahme

Claudia Andujar · Mann in einer Hängematte aus Baumrinde, Catrimani, Bundesstaat Roraima, Brasilien, 1974, Schwarzweissaufnahme

Hinweis

Claudia Andujar

Winterthur/Basel Muttenz — Bilder können die Wahrnehmung von Menschen und Ereignissen beeinflussen – unter diesem Aspekt zeigt das Fotomuseum in einer grossen Retrospektive das fotografische Werk von Claudia Andujar (*1931). Anfang der 1970er-Jahre besuchte die an sozialdokumentarischer Fotografie interessierte Andujar für ein brasilianisches Reportagemagazin das Gebiet des indigenen Volkes der Yanomani im nördlichen Teil des Amazonas. Mitten im brasilianischen Regenwald übersetzte Andujar mit ihrer Kamera das komplexe Universum der kleinen Gemeinschaft in entrückte Bilder. Bäume, Tiere und Menschen erscheinen in den teils schwarzweiss gehaltenen, teils kolorierten Fotografien aus einer fremden, unberührten, paradiesischen Welt.
Als «grünen leeren Raum» betrachtete die brasilianische Militärdiktatur damals das Amazonas-Gebiet und somit als neu «kolonisierbar». Mit der «Route Norte» quer durch das Yanomani-Gebiet sollten 1973 die geologischen Schätze zugänglich gemacht werden. Das Eindringen in den Lebensraum der Yanomani barg dramatische Konsequenzen: Tödliche Krankheiten und blutige Landkonflikte bedrohten deren Lebensweise und damit deren Existenz. Andujar forderte von den Vereinten Nationen – zusammen mit den Führern der indigenen brasilianischen Völker – den Schutz des Amazonas. Mit ihren Fotografien machte Andujar das klandestine Leben der Menschen im Regenwald sichtbar und die Wahrnehmung der Weltöffentlichkeit veränderte sich: 1992 wurde das Yanomani-Gebiet demarkiert und gesetzlich geschützt. Leider, ist hier anzufügen, bewegt sich die Geschichte heute rückwärts und das Amazonasbecken wird seit einigen Jahren durch die aktuelle Regierung erneut der Exploitation ausgesetzt.
Die Ausstellung aus dem Archiv von Claudia Andujar ist in zwei Teile gegliedert, in das Werk der Kunstfotografin und in eine chronologische Aufzeichnung ihrer aktivistischen Tätigkeit. Im Grunde ist es müssig, die Fotoarbeiten in eine künstlerische und eine aktivistische Kategorie einzuteilen: Die Eindringlichkeit ihrer frühen Bilder haben ebenso etwas Aktivistisches, wie die Erzählung der Aktivistin im Video-Interview zu ihrer Kindheit poetisch ist. Denn die Begegnung mit den Yanomani bezeichnet eine Wiederholung ihrer eigenen (Kindheits-)Geschichte in Siebenbürgen, als das Gewaltregime der Nationalsozialisten ihre jüdische Familie in Auschwitz und Dachau auslöschte. 

Until 
13.02.2022

→ Fotomuseum, bis 13.2.; Online-Paneldiskussion zum Thema Aktivismus und Exotisierung, 22.1. ↗ www.fotomuseum.ch → Kunsthaus Baselland, bis 2.1. ↗ www.kunsthausbaselland.ch

Institutionen Paese Località
Fotomuseum Winterthur Svizzera Winterthur
Kunsthaus Baselland Svizzera Basel/Muttenz
Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Inside the Amazon da 05.11.2021 a 02.01.2022 Ausstellung Basel/Muttenz
Schweiz
CH
Claudia Andujar da 23.10.2021 a 13.02.2022 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH
Artisti
Claudia Andujar
Author(s)
Johanna Encrantz

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