Allan Kaprow — Eine Art von Maler

Allan Kaprow · White and Brown Figures, 1954, Öl auf Leinwand, 117,5 x 101,3 cm. Foto: Stefan Altenburger

Allan Kaprow · White and Brown Figures, 1954, Öl auf Leinwand, 117,5 x 101,3 cm. Foto: Stefan Altenburger

Besprechung

Als «A painter … of sorts» – eine Art von Maler – stellt sich Allan Kaprow 1956 in einem den «pleasures of painting» gewidmeten Statement oder Gedicht vor. Bekannt wurde er später mit Happenings – die sich in den vorausgehenden Malereien und Zeichnungen allerdings bereits ankündigen.

Allan Kaprow — Eine Art von Maler

Zürich — Allan Kaprow (1927–2006) beschreibt die Malerei, als wolle er die herkömmlichen Grenzen des Mediums sprengen. Von «playing in the mud» wird in dem auf einer Wand im Galerieraum zu lesenden Gedicht gesprochen, oder es heisst: «to paint is to live». Kaprow beschwört die Freuden des Malens als glücklich machenden und schier unbegrenzten Prozess. «To create things like God», schwärmt er, scheinbar im kreativen Rausch. Davon zeugt auch die kleine Auswahl grossartiger Bilder und Zeichnungen, denen diese Ausstellung neben einigen Videoarbeiten von 1975 und diversen, die Performances ankündigenden Plakaten vor allem gewidmet ist.
Die zwischen 1954 und 1956 entstandenen Ölbilder und Kohlezeichnungen zeigen Akte im Atelier. Die weiblichen Körper sind mit schnellem, heftigem, fast gewalttätigem Zugriff erfasst. Weniger das einzelne Modell, die spezifischen Frauen scheinen den Künstler zu interessieren, sondern es sind die Beziehungen im Raum, das Verhältnis von Dingen und Menschen zueinander und die ausgeprägten Bewegungen und Gesten, die er festhält. Es ist, als wolle er eine energiegeladene, im Atelier herrschende Atmosphäre bannen. So scheinen viele Figuren den Bilderrahmen zu sprengen und in den Raum jenseits der Malfläche vorzudringen. Die Farben, die Kaprow verwendet, sind nicht künstlich wie in der gleichzeitig entstehenden Pop-Art, sondern warm und organisch, und häufig durchglühen Rot oder Orange die Bildfläche. In ihrem expressiven Ungestüm erinnern die Bilder an Atelierdarstellungen Ernst Ludwig Kirchners zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch damals ging es um das Entwerfen einer Gegenwelt zu den angestaubten Strukturen der bürgerlichen Gesellschaft; und darum, ästhetische Normen hinter sich zu lassen. Das Atelier wurde zu einem Möglichkeitsraum, in dem man sich über vieles hinwegsetzte. Und wie bei Kirchner, so sind auch bei Kaprow die Bilder geladen mit einer erotischen Kraft, die von den nackten Modellen auszugehen scheint.
1958 hört Kaprow auf mit der figurativen Malerei, um nun lebendige Menschen in realen Räumen auftreten zu lassen, er wird zum «Vater des Happenings». Aber schon in der früheren Malerei spricht sich sein Interesse an der Sprengung des herkömmlichen Kunstrahmens aus, an Bewegungen und Befindlichkeiten im Raum. Verantwortlich für die kleine und feine Schau ist Florian Berktold vom Hauser & Wirth-Imperium, das die Nachlassverwaltung von Kaprow innehat. 

Until 
12.03.2022

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