Gazed and Confused

Ursula Sulser · Mittelholzer’s Doppelgänger (The Tourist 020802), 2018/21, Schwarz-Weiss-Fotografie, Leuchtkasten, 21 x 21 x 5 cm

Ursula Sulser · Mittelholzer’s Doppelgänger (The Tourist 020802), 2018/21, Schwarz-Weiss-Fotografie, Leuchtkasten, 21 x 21 x 5 cm

Ursula Sulser · Mittelholzer’s Doppelgänger (The Tourist 042220), 2018/21, Schwarz-Weiss-Fotografie, Leuchtkasten, 21 x 21 x 5 cm

Ursula Sulser · Mittelholzer’s Doppelgänger (The Tourist 042220), 2018/21, Schwarz-Weiss-Fotografie, Leuchtkasten, 21 x 21 x 5 cm

Hinweis

Gazed and Confused

Zürich — Unser Blick ist nicht neutral. Er ist eng verknüpft mit unserer Wissensproduktion, mit Glaubenssätzen und unbewussten Vorurteilen. Blicke werden durch Machtstrukturen konstituiert, die oft patriarchal und kolonial geprägt sind. Anfang der 1970er-Jahre nahm sich John Berger dem Thema des «male gaze» an. In der BBC-Serie ‹Ways of Seeing›, die nun nebst Werken von fünf Kunstschaffenden bei Last Tango zu sehen ist, erläutert Berger, wie Frauen objektifiziert werden. Dies wird anhand kunsthistorischer Beispiele illustriert. So ist etwa in ‹Das Frühstück im Grünen› von Édouard Manet die weibliche Figur die einzig Nackte neben den elegant gekleideten Männern. Sie schaut über die Grenzen des Bildes hinaus, zu jenen, die sie betrachten. Denn sie weiss, sie wird betrachtet. Sie verkörpert eine spezifische Form von Weiblichkeit, die begehrenswert und für den männlichen Blick verfügbar zu sein hat. Nicht zuletzt wird der Blick auch zu einer Form der Selbstkontrolle.
Dass nicht nur patriarchale, sondern auch koloniale Strukturen in unserer Gegenwart fortwirken, sich überschneiden und gegenseitig verstärken, verdeutlicht Deborah Joyce Holman (*1991, Basel). Ihre Installation ‹Untitled (for scale)› besteht aus verschiedenen Silhouetten aus dickem Karton, die mit schwarzer Farbe überzogen wurden. Die Formen wurden unter anderem von Memes adaptiert, die People of Colour darstellten. Holman zeigt auf, wie Bilder im Netz zirkulieren, rassifizierte Vorstellungen reproduzieren und Schwarze Körper zur Projektionsfläche dieser Vorstellungen machen.
Dass auch in der Schweiz, in dem Land, das vermeintlich keine koloniale Vergangenheit hat, die erwähnten Mechanismen allgegenwärtig sind, thematisiert Ursula Sulser (*1964, St. Gallen). Als Ausgangslage für die Serie ‹Mittelholzer’s Doppelgänger› dienten ihr Fotografien desSchweizer Fotografen und Piloten Walter Mittelholzer, die er während seiner Reisen nach Afrika in den 1920er- und 1930er-Jahren aufnahm. Sulser wählte davon Ausschnitte aus, die nun in neun Leuchtkästen zu sehen sind. Verführerisch ziehen sie uns in ihren Bann – und wir werden enttäuscht. Da nicht die ganze Fotografie zu sehen ist, werden wir fragend zurückgelassen, können das «Andere» nicht «verstehen», nicht richtig «sehen». So macht Ursula Sulser die Hierarchien spürbar, die etwa durch den fotografischen Apparat jeweils hervorgebracht werden. Dies geschieht nicht nur beim Fotografieren, sondern auch bei der Betrachtung. Unsere epistemische Gewalt wirkt auch in diesem Ausstellungsraum fort. 

Until 
05.03.2022
Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Gazed and Confused da 21.01.2022 a 12.03.2022 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH

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