Mojé Assefjah — Cover The Waterfront

Mojé Assefjah · The Nightingale and the Rose, 2018, Eitempera auf Leinwand, 180 x 120 cm
 

Mojé Assefjah · The Nightingale and the Rose, 2018, Eitempera auf Leinwand, 180 x 120 cm

 

Besprechung

Der aus dem Iran stammenden Malerin Mojé Assefjah gelingt es, in ihren Werken eine Vielzahl von Dualitäten aufzubrechen und zu vereinen. Ihre Malerei kann als «post» bezeichnet werden: post-figurativ, -abstrakt, -gestisch, -expressiv, -traditionell, -konstruktivistisch und nicht zuletzt post-kolonial.

Mojé Assefjah — Cover The Waterfront

Basel — Die in Teheran geborene Mojé Assefjah (*1970) verliess mit ihrer Familie als 16-Jährige den Iran und lebt und arbeitet heute in München. Nach Sprachstudien in Japanisch und Spanisch entschied sie sich für die Malerei, trotz des Abratens ihres Vaters, der in Teheran Professor an der Kunstakademie war. Ein DAAD-Stipendium und diverse Auszeichnungen folgten und sehr schnell fand Assefjah zu einer unverwechselbaren Ausdrucksweise. In einer ersten Konfrontation mit ihren Werken identifiziert das westliche Auge sogleich Faltenwürfe, die bald als wallende Stoffbahnen wahrgenommen werden. Schnell wird deutlich, wie stark Assefjah westliche und östliche Bilder miteinander verschränkt. Ihre Technik ist traditionell, sie verwendet selbst hergestellte Eitempera, die schon in der Antike bekannt war. Ihr Anknüpfungspunkt ist dabei die italienische Frührenaissance. Kompositorisch fallen zwei Aspekte auf: Viele Bilder haben eine malerische Rahmung, lassen an einen Blick durch ein Fenster denken und entfalten sich in die Tiefe. Mit Hilfe der Temperafarben führt Assefjah Konturen klar und konsequent aus. Ihre Bildkompositionen gleichen architektonischen Konstruktionen. Jede Form, ob amorph oder geometrisch, ist klar definiert, überlappt oder schimmert da und dort durch. Je nach Farbmischung erhält sie fluide, transparente Oberflächen oder eben solche, die matt und opak erscheinen. Oft wird mit breitem, weichem Pinsel gearbeitet, und dessen Bewegung ist fliessend tänzerisch und kann dann abrupt abbrechen. Es klingen rhythmische Lieder an, langsam und melancholisch, in einem festen Rahmen, die in der Weite verhallen. In den Zeichnungen enthüllt sich die Motivik, auf deren Grundlage Assefjahs -Gemälde entstehen: Es sind Landschaften bzw. «mögliche» Landschaften. In den Gemälden werden diese transformiert, werden zu malerischen Gebilden, die sich -einer figurativen Zuschreibung entziehen und gleichzeitig dennoch nicht abstrakt sind. Nach 18 Jahren in Europa konnte Assefjah zum ersten Mal in den Iran zurückkehren und dieses Jahr wird sie ihre erste grosse Werkschau in Teheran zeigen. Die iranische Tradition kennt kein Bilderverbot und auch die Sprache ist voller Bilder. Rose und Nachtigall, auf Persisch «gulbulbul», bspw. sind ein zentrales Thema der mystischen persischen Dichtung. ‹The Nightingale and the Rose› heisst eine Kurzgeschichte von Oscar Wilde. Östliches und Westliches: Eine weitere Dualität vereint!

Until 
08.05.2018
Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Mojé Assefjah da 26.02.2018 a 08.05.2018 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Artisti
Mojé Assefjah
Author(s)
Françoise Theis

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