Anton Bruhin — Hauptsache

Anton Bruhin · Holzobjekte aus den Jahren 2014 und 2017. Foto: FX Brun

Anton Bruhin · Holzobjekte aus den Jahren 2014 und 2017. Foto: FX Brun

Anton Bruhin · Supermatistischer Mickey, 1987, Mosaikporträt von Patrick Frey, 2017, und Dämonen aus den Jahren 2015/16/17 im Hintergrund. Foto: FX Brun

Anton Bruhin · Supermatistischer Mickey, 1987, Mosaikporträt von Patrick Frey, 2017, und Dämonen aus den Jahren 2015/16/17 im Hintergrund. Foto: FX Brun

Besprechung

Anton Bruhin ist vielseitig wie kaum ein Künstler. Virtuos pendelt er zwischen Malerei, Zeichnung, Grafik, Computeranimation und Skulptur. Zugleich widmet er sich – als Trümpi(Maultrommel)-Pionier – der Musik und, in Palindromen, dem Sprachkunstwerk. Das Haus für Kunst Uri in Altdorf gibt ihm eine Plattform.

Anton Bruhin — Hauptsache

Altdorf — Der Titel ‹Hauptsache› ist wörtlich zu nehmen. Die Ausstellung ist voller Häupter: Dämonen, weibliche Schönheiten, Selbstporträts, Holzköpfe, Schaltafelköpfe, archaische Köpfe, gepixelte Porträts. Anton Bruhin (*1949, Schübelbach) fertigt alles in Serie. Ein Kopf aus zersägten gelben Schaltafeln reicht nicht. Es müssen viele sein, der Wand entlang aufgereiht. Sie alle gehorchen demselben Konzept, sind aber je anders. Zahlreich präsent sind auch die Holzköpfe: Ein würfelförmiger Sockel trägt einen dünnen Hals und eine bemalte Holzkugel als Kopf, ein breiter Schlitz bildet den Mund. Auch der grossen ‹Dämonen› sind viele, gut oder bös, fratzenhaft oder sanft lächelnd. Der in Zürich lebende Künstler ging von Computeranimationen aus und übertrug, was er variierte, in dicker rosa, roter oder brauner Ölfarbe auf die gros­se Leinwand. Selbst Malewitschs ‹Schwarzes Quadrat› wird zum Kopf: Bruhin fügt ans Schwarz des Russen oben rechts und links je ein weiteres schwarzes Quadrat als Ohren – und flugs haben wir den ‹Suprematistischen Mickey›, 1987. Natürlich spielt Pop mit – auch in grafisch gestalteten bunten ‹Schönheiten›. Ironie und Humor gibt es ohnehin – was nicht bedeutet, dass es Anton Bruhin nicht ernst wäre mit seiner fast manisch auf vielerlei Gleisen vorangetriebenen Arbeit. Deutlich wird das in den vielen Selbstporträts. 1982 sieht er sich im Spiegel selbstbewusst in die Augen, im Flanellanzug an der Staffelei. 2018 zeigt er sich, sichtlich gealtert, mit traurig-ernstem Gesicht. In neuen täglichen Spontanzeichnungen erscheint er, gerade erwacht, mit wirrem Haar im Badezimmerspiegel. Selbstporträt ist stets Selbstentblössung. In der thematisch konzentrierten Präsentation (Kuratorin Barbara Zürcher) ist jedoch auch ein riesiges Landschaftspanorama zu sehen, gemalt 1988 für die ­UBS-Filiale in Schwyz. Das Werk gehorcht einem strengen Konzept: Bruhin malte im Freien jeden Tag einen vertikalen Streifen – mal bei Regen, mal bei Sonnschein, mal im Schnee, mal bei Wolken. Und jeder der rund dreissig Streifen ist säuberlich mit Datum versehen. Gezeigt werden auch zwei Filme – von Iwan Schumacher über die Weltreise des Trümpi-­Spielers Bruhin, von Janos Szénogrady über den Landschaftsmaler. Im Audio-Guide kommentiert der Kabarettist Beat Schlatter humorvoll-ernst die Werke – mit Schiller (Wallenstein-Prolog): «Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.» 

→ ‹Anton Bruhin – Hauptsache›, Haus für Kunst Uri, Verlängerung siehe: ↗ www.hausfuerkunsturi.ch

Exhibitions/Newsticker Dataordinamento crescente Tipo Località Paese
ANTON BRUHIN da 07.03.2020 a 16.08.2020 Ausstellung Altdorf
Schweiz
CH
Artisti
Anton Bruhin
Author(s)
Niklaus Oberholzer

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