Ex Libris. Literatur und Schrift

Filib Schürmann · Ex Libris, 2020, Ausstellungs­ansicht Kunst(Zeug)Haus Rapperswil

Filib Schürmann · Ex Libris, 2020, Ausstellungs­ansicht Kunst(Zeug)Haus Rapperswil

Judit Villiger · Jardin des Plantes I, 2009, Ausstellungsansicht Kunst(Zeug)Haus Rapperswil

Judit Villiger · Jardin des Plantes I, 2009, Ausstellungsansicht Kunst(Zeug)Haus Rapperswil

Hinweis

Ex Libris. Literatur und Schrift

Rapperswil-Jona — Der Untertitel ­‹Literatur und Schrift in der Sammlung Bosshard› wirkt fast zu kurz gegriffen, so breit ist das Feld der Bezüge, welche die Ausstellung im Kunst(Zeug)Haus tatsächlich auffächert. Ohne speziell darauf abgezielt zu haben, bietet die Sammlung Bosshard zu dem Thema einen ansehnlichen Querschnitt durch die ­Schweizer Gegenwartskunst. An der aufgerufenen Schnittstelle zwischen Kunst und Buch weisen bereits verschiedene Begriffe darauf hin, dass Text und Bild untrennbar miteinander verbunden sind, darunter ‹Bildsprache› oder auch ‹Schriftbild›. Wie weit das inhaltlich und formal reichen kann, lässt auch die Vielfalt der Medien erahnen: Künstlerbücher, Buchobjekte, Bilderbücher, Schriftbilder, Leuchtschriften oder auch fotografisch nachempfundene Romane. Die Zusammenstellung ist relativ lose, zeigt aber, dass letztlich jede Art von Kunst um die Herstellung und das Aufrufen von Bildern kreist. Welcher Kunstgattung das am besten gelingt, war ja unter anderem Inhalt des Wettstreits unter den Künsten. Daran erinnert in der Ausstellung beispielsweise Judit Villiger. Sie greift tief in die Historie und holt Zeugen einer Hochphase des Paragone – des Wettstreits der Künste – in den Ausstellungsraum: Dante Alighieris Höllenkreise aus der ‹Göttlichen Komödie›, die bereits vielfach künstlerisch adaptiert wurden. Villiger verwandelt sie in ein Diptychon mit dem Titel ‹Höllentrichter – Himmelstorte›. Mit zwei rotierenden Objekten schafft sie parallel einen Bezug zur fantastischen Pflanzenwelt in Jules Vernes Roman ‹Reise zum Mittelpunkt der Erde›. Historisch noch weiter zurück geht Klaus Born, der in einer Serie von Radierungen Ovids Metamorphosen umsetzt. Eine andere Variante der Textadaption bilden die spielerisch wirkenden ‹Buchstabengebäude› von Brigitt Lademann. Sie setzt ihre Objekte aus Suppenbuchstaben nach Texten von Adalbert Stifter und C. F. Meier zusammen. Der allgegenwärtige Humor in der Sammlung zeigt sich auch in den Bildern von Filib Schürmann. Er zeichnet gestische Pinselstriche nach und versieht sie mit handschriftlichen Textfragmenten und eigenen Beschriftungen – Bildwelten zum darin Abtauchen. Die Arbeiten von über 30 Kunstschaffenden und mehrere Begleitveranstaltungen in Zusammen­arbeit mit der Stadtbibliothek Rapperswil machen die Ausstellung zu einer regelrechten Entdeckungsreise in die Beziehungen zwischen Text und Bild. Eine vielschichtige Sammlungspräsentation ist das Ergebnis. 

Until 
10.01.2021

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