Kontamination

Hannah Black · Aeter (Jack), 2018, Ausstellungsansicht Kunstverein Freiburg. Foto: Marc Doradzillo

Hannah Black · Aeter (Jack), 2018, Ausstellungsansicht Kunstverein Freiburg. Foto: Marc Doradzillo

Mire Lee · Untitled, 2021, Ausstellungsansicht Kunstverein Freiburg. Foto: Marc Doradzillo

Mire Lee · Untitled, 2021, Ausstellungsansicht Kunstverein Freiburg. Foto: Marc Doradzillo

Hinweis

Kontamination

Freiburg/B — Welche Verbindungen lassen sich zwischen Kühen, Karnevalsfestivitäten, karnivoren Pflanzen und nägelkauenden Menschen herstellen? Dieser Frage kann in der vielschichtigen Ausstellung ‹Kontamination› nachgegangen werden, in der vier aufstrebende Künstler und Künstlerinnen die moderne Trennung zwischen Natur und Kultur unterminieren und Definitionen des Menschlichen befragen. Die gezeigten Arbeiten widmen sich komplexen Beziehungen, Verstrickungen und Abhängigkeiten zwischen humanen und nichthumanen ­Lebewesen sowie den sie umgebenden Objekten, mit Fokus auf Praktiken der Kontamination und Politiken der Reinigung. In ihren Ton-Skulpturen und Videoarbeiten ‹Aeter (Sam)› und ‹Aeter (Jack)› setzt sich Hannah Black (*1981) mit der identitätsbestimmenden Kategorie von ‹race› und der damit verbundenen Kulturgeschichte der Menschenfresserei auseinander. Während sich ihre «Termiten­hügel» abwechselnd verspeisen, praktizieren die Interviewpartner Formen eines latenten Kannibalismus: Sam kaut obsessiv Nägel. Jack unterzieht sich einer Transplantation mit Fremdknochen.
Die Grenze zwischen Subjekt und Objekt erscheint auch in der ‹kinetischen Skulptur› von Mire Lee (*1990) porös, deren an Körperflüssigkeiten erinnernde Substanzen sich zwischen fest und flüssig bewegen. Während der parasitäre, von der Oberlichtdecke hängende Motorenkörper dreht, bleiben die hybriden Tentakel zumeist am Boden kleben. Ähnlich haften die Tentakel der fleischfressenden Pflanzen in Rindon Johnsons (*1990) ‹Meat Growers: A Love Story›, wo die globale Klima­katastrophe in einem alternativen Szenario durch Reorganisation der Fleischindustrie verhindert werden soll. Das wiederkäuende Nutztier tritt mithin in Eoghan Ryans (*1987) ‹Truly Rural› auf. Verstörende Bilder der BSE-Epidemie – ausgelöst durch zu Tiermehl verarbeitete Schlachtabfälle, die an Rinder verfüttert wurden – werden mit sezierten Gehirnen, den Karneval-Erinnerungen eines im Kuhkostüm verkleideten Paars, Techno-­Beats und Volksliedern überlagert. Dass die «Party» vorbei ist, offenbart sich spätestens, wenn ein Clown als Alter Ego des Künstlers die Pathologien von Kultur, Gesellschaft und Europa verkündet. Ich desinfiziere meine Hände beim Hinausgehen erneut, öffne die Tür und schiebe die OP-Maske nach unten. 

Until 
16.05.2021
Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Kontamination da 27.03.2021 a 16.05.2021 Ausstellung Freiburg/B
Deutschland
DE

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