Chuquimamani-Condori

Chuquimamani-Condori · Across the Policed World: A Transnocturnal Huayno, Centre d’art contemporain Genève, 2022, Ausstellungs­ansichten. Foto: Julien Girard

Chuquimamani-Condori · Across the Policed World: A Transnocturnal Huayno, Centre d’art contemporain Genève, 2022, Ausstellungs­ansichten. Foto: Julien Girard

Chuquimamani-Condori · Across the Policed World: A Transnocturnal Huayno, Centre d’art contemporain Genève, 2022, Ausstellungs­ansichten. Foto: Julien Girard

Chuquimamani-Condori · Across the Policed World: A Transnocturnal Huayno, Centre d’art contemporain Genève, 2022, Ausstellungs­ansichten. Foto: Julien Girard

Hinweis

Chuquimamani-Condori

Genf — Die transsexuelle Elektromusikerin Elysia, Chuquimamani Crampton (*1985, Barstow/CA) hat ihre Artikulationen in den letzten Jahren um Installationen, Bücher, Filme und Vorträge erweitert. Stets arbeitete sie dabei auch Traditionen ihres in die Hochanden zurückführenden Hintergrunds ein, um Dislozierung, Identität und Souveränität zu thematisieren. Der nun seit 2019 unter ihrem aymarischen Namen Chuquimamani-Condori veröffentlichte Werkstrang gilt ganz dem Erbe ihres Volkes. Durch die Grenzen zwischen Bolivien, Peru und Chile auseinandergerissen und heute rund um den Globus verteilt, sucht dieses zurzeit durch geografische und spirituelle Bezüge seinen Zusammenhalt wieder zu stärken, wofür sich die Künstlerin auch durch den Aufbau institutioneller Strukturen einsetzt.
Das Centre d’art contemporain zeigt nun ihre erste Einzelausstellung, die unter dem Titel ‹Across the Policed World: A Transnocturnal Huayño› in drei Schwarzräumen in dieses nationale Universum taucht. In der Perspektive von Chuquimamani-Condori wird alles sofort intim. Man lauscht erst den Erzählungen der Mutter von der dreijährigen Totenzeremonie der Aymara, an der unter der Leitung eingeweihter Frauen im früheren 20. Jh. noch alle «Blutleute» teilnahmen, und kann dies dann auch auf Material aus Familienalben dieser Zeit erkennen. Die Kulmination bildet eine filmische Evokation der Wiederausrichtung des Rituals durch die Künstlerin für ihre kürzlich verstorbene Grossmutter, die es ihr vorgängig noch detailliert gezeigt hatte: ‹Amaru’s Tongue: Daughter›.
Zum repetitiven Soundtrack ihres Bruders Joshua Chuquimia Crampton tauchen wir bei vollem Geklirr einer Bassgitarre in eine zwischen der Instruktion und der Ausführung oszillierende Montage ab, in der Darstellungen des Rituals aus dem 17., 18. Jh. und damit assoziierte Kulturgüter aufblitzen. Schliesslich folgen wir einer mit den Emblemen der Patchamama geschmückten Silikonpuppe bei einer von Totemtieren geleiteten Kräuterexkursion in die Berge. Durch diese Figur und deren von weiblichen Familienmitgliedern entlehnten Stimmen erfährt die teils furchteinflössende Totenzeremonie eine Einbettung in die jüngere Geschichte der Aymara. Es wird deutlich, wie sie zusammen mit den grossen, ihr zugrunde liegenden Ideen einer Leere oder einer Wunde am Anfang und am Ende zentral für den Widerstand werden konnte: «... die Ahnen und Ahninnen tanzten und sangen ... lass niemals das Licht kommen ... Weil sie wussten, dass der nahende Sonnenaufgang eine überwachte Welt brachte.»

Until 
01.05.2022

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