Mai-Thu Perret

Mai-Thu Perret · To be titled (Birds), 2021, 12 Stücke in geblasenem Glas, je ca. 16 x 12 x 12 cm, Ausstellungsansicht Schweizer Institut, Rom. Foto: Ela Bialkowska

Mai-Thu Perret · To be titled (Birds), 2021, 12 Stücke in geblasenem Glas, je ca. 16 x 12 x 12 cm, Ausstellungsansicht Schweizer Institut, Rom. Foto: Ela Bialkowska

Mai-Thu Perret · Minerve, 2021, Glasierte Keramik, 150 x 120 x 100 cm, Ausstellungsansicht Schweizer Institut, Rom. Foto: Ela Bialkowska

Mai-Thu Perret · Minerve, 2021, Glasierte Keramik, 150 x 120 x 100 cm, Ausstellungsansicht Schweizer Institut, Rom. Foto: Ela Bialkowska

Hinweis

Mai-Thu Perret

Rom — 2022, ein Frauenjahr in der Kunst: So hallt es aus allen Kanälen. Die Biennale von Venedig fest in weiblicher Hand, sowohl das Hauptkuratorium mit Cecilia Alemani als auch die Repräsentationen in auffällig vielen Länderpavillons. Perfekt eingestimmt eröffnet das Schweizer Institut die erste italienische Einzelausstellung der Genfer Künstlerin Mai-Thu Perret (*1976, Genf). So absurd es tönt, die Genderfrage ist alles andere als gelöst. Dies wird paradoxerweise umso sichtbarer, als sich Künstlerinnen in ihrer Arbeit noch immer mit ihr auseinandersetzen (müssen). Mai-Thu Perret tut dies seit Jahrzehnten auf so konsequente wie poetische Art und Weise. So erfand sie 1999 eine utopische, autonome Frauenzone, ‹New Ponderosa Year Zero›, irgendwo in New Mexico, in der die Frauen der patriarchalischen und kapitalistischen Welt entrinnen und eine neue soziale Ordnung aufbauen. Die in der Römer-Villa Mariani sorgfältig installierte Show setzt diese Forschungsrichtung fort. Im Titel ‹Real Estate› versteckt sich ein Wortspiel: italienisch ausgesprochen, heisst es «wirklicher Sommer», englisch hingegen «Immobilienbesitz». Eine direkte Anspielung auf die häusliche Sphäre, Wohn- und Besitzbedürfnisse, auch im Sinne eines weiblichen Empowerments zu verstehen. Die schamanistisch anmutenden schwarzen Tiermasken aus Keramik, ‹With an unbounded force (black)›, beschwören antike Hexenrituale. Der Wandteppich ‹Vertical-Horizontal Composition› beruht auf einem Aquarell von Sophie Taeuber-Arp. Der weisse Korb voller Gipsäpfel, ‹Abnormally Avid III›, hingegen evoziert die böse Hexe, die Schneewittchen zu vergiften sucht. Bunte Keramikschalen erinnern an häusliche Gefässe, Gastfreundlichkeit und Empathie: allesamt mit Weiblichkeit verbundene Begriffe. Die Glasvögel symbolisieren die Fragilität und die Freiheit. Die Minerva aus rot glasierter Keramik, Göttin der Weisheit, des Krieges und der Strategie, thront am Ende der Ausstellung, schon fast wie eine Drohung. Denn trotz der vermeintlichen Zerbrechlichkeit des sogenannten zweiten Geschlechts sollte dieses nicht unterschätzt werden. Nichts hindert es daran, strategisch vorzugehen. Das Ziel: Eine Gesellschaft, in der die Geschlechterzugehörigkeit kein Thema mehr ist und sein muss.

Until 
26.06.2022

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