Dekkan

Die Attacke eines Elefanten, 1650–1700, 26 x 19,6 cm, RVI 1064, Legat Alice Boner, Museum Rietberg

Die Attacke eines Elefanten, 1650–1700, 26 x 19,6 cm, RVI 1064, Legat Alice Boner, Museum Rietberg

Hinweis

Dekkan

Zürich — Jahr für Jahr lädt das Museum Rietberg zur Entdeckung von indischer Malerei ein. Und jedes Mal, wenn in der Parkvilla Rieter eine neue Ausstellung präsentiert wird, erschliesst sich einem auf kleinem Raum eine ganze Welt – farbig, voller Details, abenteuerlich, stimmungsvoll, erzählerisch und beschreibend, eine Welt zwischen Mythos und Geschichte, Gefühl und Realität. Nun also ‹Dekkan›, im Süden des Subkontinents gelegen und eines «der grossen eigenständigen Kunstgebiete Indiens». Zur hauseigenen Sammlung gehören rund 60  Werke aus dem Dekkan, von denen hier 48 mehrheitlich zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind. Und sie haben recht, die Kuratoren Caroline Widmer und Axel Langer: Es ist eine Schau von unglaublicher Breite an Bildern, bei der für jeden etwas dabei ist. Allein schon die vielen Tiere: Pferde in den verschiedensten Momenten und von unterschiedlichstem Gepräge – elegant stilisiert, wenn Prinzessin Shirin dem unglücklich liebenden Farhad begegnet; ein Hengst, der einem Dämon die Zähne zeigt, auf seinem Rücken ein indischer Fürst in Heldenpose; in «barocker» Levade, mit kunstvoll geflochtener Mähne, wenn sein adliger Reiter auf Falkenjagd geht; schliesslich auch als Streitross, das einen heftig dreinschlagenden Kämpfer trägt. Neben den vielen Antilopen, zahllosen zahmen und wilden Vögeln begegnen wir auch dem einen oder andern Elefanten. Dass aber ein anmutiger junger Mann, Sitar in der Linken, Seerosenblüte in der Rechten, in blühender Landschaft auf einem Fisch durchs Wasser reitet, ist die absolute Ausnahme – und bleibt so rätselhaft wie vieles, womit diese kunst- und geschichtenreiche Ausstellung aufwartet. Als europäische und wissenschaftlich ungeübte Betrachterin weiss man nicht, worauf man besonders achten sollte – und bleibt an Kleinigkeiten hängen, die einfach nur hübsch, aber (vielleicht) ohne besondere Bedeutung sind. Was mögen das für niedliche gestreifte Tiere sein, die hinter dem Sufi-Scheich auf der Terrasse die Bäume hochklettern – indische Palmenhörnchen?
Drei Räume, drei Schwerpunkte: das 17. Jahrhundert, das 18. Jahrhundert sowie dekkanische Ragamala-Serien. So facettenreich die Region mit ihren geradezu globalen Verbindungen ist, so vielfältig und stilistisch kaum zu fassen zeigt sich auch die Kunst. Persisches und Indisches, Muslimisches und Hinduistisches, Höfisch-Städtisch-Ländliches und mehr finden zusammen, regen sich an, sodass nicht selten überraschend Neues entsteht. Man erfährt nicht immer, was es mit dem Inhalt der wunderbar komponierten Miniaturen auf sich hat. Dafür werden (dank Texttafeln und einem Beiheft) die dekkanischen Merkmale herausgestellt: Ein Stück indische Vergangenheit wird lebendig und der Augensinn geschärft. 

Until 
15.08.2021
Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Dekkan da 17.03.2021 a 24.10.2021 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Author(s)
Angelika Maass

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