Grund

Monica Ursina Jäger · each the other’s world entire 2015/21, Beton, Pigmente, Metall und Pigmenttransfer auf Zementverbundplatte, 430 x 130 x 300 cm

Monica Ursina Jäger · each the other’s world entire 2015/21, Beton, Pigmente, Metall und Pigmenttransfer auf Zementverbundplatte, 430 x 130 x 300 cm

Sara Masüger · Tinnitus gardening, 2021, Stahl, Acrystal, Kalk, Lehm vom nahen Teichgrund

Sara Masüger · Tinnitus gardening, 2021, Stahl, Acrystal, Kalk, Lehm vom nahen Teichgrund

Hinweis

Grund

Samstagern — Wolken wie weisse Wattebäusche zieren den postkartenblauen Himmel über den sattgrünen Wiesen. Die ‹Froh Ussicht› reicht bis zum Säntismassiv, und im Teich unterhalb des Hofs quaken Frösche. Vor diesem Teich steht ein markanter, weisser, hoher und fragiler Torbogen, den Sara Masüger (*1978, Zug) als ‹Tinnitus gardening› für die diesjährige Ausstellung ‹Grund› auf dem Hof von Martin Blum auf soliden Füssen aus Lehm errichtete, den sie vom Grund des Teiches gewonnen hatte. Auch die an eine Grabplatte gemahnende Tonhaut ‹Mue› (Häutung) von Saskia Edens (*1975, Genf), die Spur einer früheren Performance, ist scheinbar aus dem Boden selbst gewachsen. Wer sich auf dem Hof genau umsieht, wird verschiedene goldene Zünglein entdecken – sie stammen ebenfalls von Saskia Edens und sind mit ‹Sein Herz auf der Zunge tragen› betitelt. Ihr zwölfminütiges Video ‹Strategies of Seed› von 2018, aufgenommen im grössten globalen Samenarchiv auf den Spitzbergen, wird in der Kammer eines Silos gezeigt.
Als dritte angefragte Künstlerin stellt Monica Ursina Jäger (*1974, Thalwil) mit ‹each the other’s world entire› eine filigrane, weisse, architektonisch strukturierte Silhouette aus ­Metallträgern und ein Bild eines nagelhausähnlichen Gebäudes mit einem Betonfindling in eine Hecke. Das Werk bleibt auf dem Hof stehen und wird vermutlich langsam in seine Umgebung hineinwachsen wie der flechtengeschmückte Betonabguss von Bob Gramsma (*1965, Uster) – ein Hinweis auf unseren Umgang mit der Landschaft, die wir jahrelang ausgeräumt haben und nun mit viel Aufwand zu reparieren versuchen. Jägers zweite Arbeit ‹rift, drift and a trickling thought› ist eine sorgsam komponierte Bildcollage, wo Pilze in Hochhäuser übergehen und sich in der Vertikalen eine verwunschene Landschaft auftut.
Der Landwirt und Künstler Martin Blum hat das Thema der Ausstellung täglich vor Augen: Die Erde hat nur einen einzigen Boden, eine ganz dünne Kruste, auf der wir bauen und leben können. Ist dieser ‹Grund› – so der Titel der Ausstellung – einmal weggebaggert, bleibt nichts mehr. Der Boden ist genauso Urtext wie die ersten in Ton geritzten Schriftzeichen, auf die auch Saskia Edens Bezug nahm, als sie mit den Absätzen ihrer High Heels solche Zeichen in den Ton des Teiches drückte. Alle Kunstwerke sind frei zugänglich, es ist beim Besuch aber zu beachten, dass sie auf einem aktiv bewirtschafteten Bauernhof stehen. Geführte Rundgänge finden jeweils am letzten Sonntag des Monats statt; im Hofladen sind verschiedene Produkte und Erfrischungen erhältlich.

Until 
31.10.2021

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