Hodler, Klimt und die Wiener Werkstätte

Dagobert Peche · Perlthier (Phantasietier), 1919, Entwurf, Buntstift und Tusche auf Papier, 27 x 21,1 cm MAK, Wien

Dagobert Peche · Perlthier (Phantasietier), 1919, Entwurf, Buntstift und Tusche auf Papier, 27 x 21,1 cm MAK, Wien

Hinweis

Hodler, Klimt und die Wiener Werkstätte

Zürich — In dieser Konstellation, in dieser Verbindung zur Schweiz hat man dies noch nie gesehen, in diesem wechselseitigen Beziehungsreichtum, ideell und materiell, nicht zuletzt zum Zürcher Kunsthaus und zur Bahnhofstras­se: ‹Hodler, Klimt und die Wiener Werkstätte›. Eine packende «Dreiecksgeschichte», noch immer für Entdeckungen gut. Sie wird erzählt in sieben Räumen, die ganz im Dienst der vielen Exponate stehen. Über 180 sind es, zusammen mit Dokumenten, Drucksachen und mehr.
Schon nach den ersten Eindrücken ist klar: Nicht nur Hodler und Klimt, auch die Wiener Werkstätte hat ein Jahrhundert später nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Mit ‹Hodler und Wien› beginnt die Schau und so mit der XIX. Ausstellung der Wiener Secession (1904) und Hodlers triumphalem Auftritt in der Hauptstadt der Donaumonarchie. Nicht seinem ersten, aber dem, der ihm alles gebracht hat, «was ein Künstler von der Öffentlichkeit erhoffen kann: reichen Zuspruch, gute Presse, wichtige Verkäufe». So sagt es Gastkurator Tobias G. Natter. Wie sich der Auftritt und der sechswöchige Aufenthalt des Künstlers gestaltete, wie nachhaltig er war – Josef Hoffmann richtete Jahre später die herrschaftliche letzte Wohnung des Ehepaars Hodler in Genf ein –, wie sehr Hodler Klimt schätzte, wie sehr er sich für die Wiener Werkstätte interessierte; wie spannend der Einblick in Wiener Wohnwelten für ihn war, in denen die Idee «Gesamtkunstwerk» zum Ausdruck kam, wie sie sich auch in der von Koloman Moser inszenierten Secessions-Schau manifestiert: Dies und noch mehr vermitteln die Gemälde – darunter Klimts in wunderbaren Weiss- und Grautönen gehaltenes Bildnis ‹Hermine Gallia› –, die Zeichnungen, Möbel, Designobjekte, Schmuckstücke, Stoffe … Schliesslich die Niederlassung der Wiener Werkstätte in Zürich, wo 1917 an der Bahnhofstrasse 1 und 12 ein Showroom und eine Verkaufsstelle eröffnet wurden. Prägende Figur hier und für manche wohl eine Entdeckung: der junge, fantasiebegabte Dagobert Peche, künstlerischer Leiter der Zürcher AG. Einer, der die Zierform über die Zweckform stellte. Der entscheidend beitrug zum Stilwandel vom Jugendstil zur Art déco der Zwanzigerjahre, wie man im ausgezeichneten Katalog nachlesen kann. Peches Entwürfe für Spitzenbordüren, Wanddekora­tionen, Vitrinen, Tische, Stühle, ein Bett, Vasen oder das anmutige ‹Perlthier› sind faszinierend; nicht weniger die ausgeführten Objekte, vor allem die bezaubernden Stoffe und Broschen. Vieles darunter wirkt fast verspielt. Peche ging 1919 wieder nach Wien zurück; wegen finan­zieller Schwierigkeiten wurde die Zürcher Filiale später aufgelöst. Was neben schönen Gegenständen und Kulturgeschichte(n) besonders bleibt, ist der Gedanke der Gleichberechtigung von «hoher» und «angewandter» Kunst.

Until 
29.08.2021

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