Peter Aerschmann

Peter Aerschmann · Ghosts, 2021, Video­installation, Schloss Spiez

Peter Aerschmann · Ghosts, 2021, Video­installation, Schloss Spiez

Peter Aerschmann · Hortus Digitalis, 2021, Video­projektion auf weisses Tuch, Schloss Spiez

Peter Aerschmann · Hortus Digitalis, 2021, Video­projektion auf weisses Tuch, Schloss Spiez

Hinweis

Peter Aerschmann

Spiez — Hoch über dem Thunersee liegt das altehrwürdige Schloss Spiez – ein Ort, den einst drei bedeutende Berner Geschlechter nacheinander bewohnten und in dem doch bestimmt ein Schlossgeist herumspuken müsste. Im Gang des Obergeschosses, projiziert auf die Wand, erwartet einen dann tatsächlich eine Enfilade solcher Gestalten, die langsam unter Leintüchern hin und her wogen. Es ist dies das titelgebende Werk der Ausstellung ‹Ghosts – Videokunst von Peter Aerschmann›, die im Juni auch das Gerüst vor dem Schloss eindrücklich miteinbezog. Der Berner bespielt diesen Sommer das Schloss, das in den letzten Jahren etwa die Zeichnungen von Dürrenmatt oder Chagall zeigte. Da eine solche «klassische» Schau heuer umbaubedingt nicht möglich war, wurde der bekannte Videokünstler eingeladen, ganz spezifisch auf diese Situation einzugehen. Das Schloss im «Winterschlaf», in dem alle Vitrinen und heiklen Objekte mit weissem Stoff geschützt sind, inspirierte Aerschmann (*1969, Zumholz) zu seiner Videoinstallation. In einem weiteren Saal erkennt man noch knapp die Silhouetten von Möbeln und Ausstellungsmobiliar unter weissen Tüchern – eine seltsame stille Landschaft, auf der nun rote Kirschen, Pflanzen und grafische Elemente frei kreisen und tanzen. Diese grosse Videoinstallation ‹Hortus Digitalis› ist bezeichnend für Aerschmanns ganz spezifische Form der Videokunst. Er interessiert sich weniger für die technischen Möglichkeiten des Mediums als vielmehr für visuelle Bruchstücke, Ausschnitte und Objekte, die er auf Streifzügen und Reisen sammelt. Diese werden dann in seiner eigenen Sprache, in der Regel als bewegte, dreidimensionale Objekte in langsam rotierenden oder schwebenden Gruppen vor einem neutralen Hintergrund animiert. Aerschmanns Werke gewinnen so eine Zeitlosigkeit und Symbolkraft. Etwa, wenn er im Turm Pusteblumen in einer Art Ballett abbrennen und dann im Rücklauf wieder «erblühen» lässt … Der titelgebende «Geist» ist somit keine Horrorgestalt, sondern eher eine stille transitorische Figur, die durch das Schloss wandelt und sich das kalte Gemäuer in der Erwartung der belebten Sommersaison anschaut. Wobei solche Figuren und Zustände für den Künstler durchaus auch als Sinnbilder für die heutige Gesellschaft stehen. So ist nun eine gelungene Schau entstanden, die an diesem Ort durchaus auch als Reflexion über Zeitlichkeit per se verstanden werden darf. 

Until 
31.10.2021
Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Peter Aerschmann da 01.05.2021 a 31.10.2021 Ausstellung Spiez
Schweiz
CH

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