Abdo Shanan

Abdo Shanan · Sans titre, aus der Serie ‹Dry› 2017–2020, Fotografien

Abdo Shanan · Sans titre, aus der Serie ‹Dry› 2017–2020, Fotografien

Abdo Shanan · Sans titre, aus der Serie ‹Dry› 2017–2020, Fotografien

Abdo Shanan · Sans titre, aus der Serie ‹Dry› 2017–2020, Fotografien

Hinweis

Abdo Shanan

Genf — Beim Betreten des Ausstellungsraums sollten Sie die winzige Postkarte an der Wand nicht verpassen: Das abgebildete Meisterwerk von Arnold Böcklin, ‹Die Toteninsel›, ist der rote Faden des Ausstellungsprojekts. Für seine erste Foto-Soloausstellung hat Abdo Shanan (*1982, Oran) anhand dieses Kunstwerks eine Art fotografisches «Memory» entworfen. Auf spielerische Weise kann man hier und da Details auf seinen Fotos finden (Bäume, Statuen, eine weisse Silhouette), die Böcklins Gemälde widerspiegeln. Böcklins Toteninsel handelt von der letzten Wanderung – vom Leben in den Tod. Es ist ein ähnlich dramatisches Thema, das Shanan hier aufgreift. Sein langjähriges Fotoprojekt ‹Dry› handelt von der Flucht, dem Exil und der Suche nach einem Zuhause auf dieser Erde. Dabei nützt der nordafrikanische Fotograf seine eigene Geschichte und die von Bekannten, Familienmitgliedern oder sogar Unbekannten. Die meisten Fotografien sind schwarz-weiss. Sie zeigen Gesichter, Bäume, Skulpturen, architektonische Details, manchmal auch Katzen – und alles zusammen ergibt ein Puzzle. Die Fotos sind ohne Titel, die Gesichter ohne Namen. An den Wänden befinden sich ausserdem Zitate (Fragmente aus dem Leben, Reflexionen über Identitätsfragen und die koloniale Vergangenheit), die von den Por­trätierten handschriftlich verfasst wurden.
Shanan selbst wurde als Sohn einer algerischen Mutter und eines sudanesischen Vaters in Algerien geboren; er lebte 18 Jahre lang im Nachbarland Libyen und kehrte dann nach Algerien zurück. Wie er selbst sagt: «Mit ‹Dry› möchte ich, dass Sie sich unbehaglich und unbequem fühlen. Ich möchte, dass Sie an allem zweifeln, was man Ihnen über nationale Identität und Zugehörigkeit erzählt hat. Denn was bedeuten diese sozialen Konstrukte eigentlich?» Bisher schien Shanan vor allem ein Vermittler zu sein: 2020 hatte er ‹Narratives from Algeria› kuratiert, eine Panoramaausstellung der zeitgenössischen algerischen Fotoszene (mit vierzig Positionen) gemeinsam mit Danae Panchaud im Fotoforum Pasquart in Biel. Und 2021/22 erhielt er mit dem ‹Collectif 2020› ein Stipendium von Pro Helvetia für die Schaffung eines Kunstaustauschs zwischen Marokko und Algerien. Für ‹Dry›, das er 2017 begonnen hat, erhielt er 2019 den Preis des CAP (Contemporary African Photography). Panchaud, neu Direktorin des Centre de la Photographie in Genf, stellt ihm nun den Raum zur Verfügung. 

Until 
21.08.2022
Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Abdo Shanan da 01.06.2022 a 21.08.2022 Ausstellung Genève
Schweiz
CH

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