Bang Bang — Performance now!

Davide-Christelle Sanvee · Je suis Pompidou.e.x, 2021, Centre Pompidou, Paris. Foto: Centre Pompidou/Hervé Véronèse

Davide-Christelle Sanvee · Je suis Pompidou.e.x, 2021, Centre Pompidou, Paris. Foto: Centre Pompidou/Hervé Véronèse

Marie-Anne Lerjen · Rückgängig, 2019, Performance Reihe Neu-Oerlikon. Foto: Markus Goessi

Marie-Anne Lerjen · Rückgängig, 2019, Performance Reihe Neu-Oerlikon. Foto: Markus Goessi

Besprechung

Mit Archivmaterial, Diskussionen und Live-Performances feiert das Museum Tinguely diesen Sommer die Performance-Kunst. Ziel ist es, einen Überblick über eine reichhaltige Breite dieser ephemeren Kunstform zu erlangen und ihr dadurch Raum und Sichtbarkeit zu verleihen: Bang Bang!

Bang Bang — Performance now!

Basel — «Ni dieux, ni mari, ni maître» – der Slogan über der Bühne inmitten des Ausstellungsraums steht sinnbildlich für die Emanzipation und die Freiheit der Performance-Kunst. Diesen Idealen folgt auch das Sommerprojekt im Museum Tinguely, bei dem der verhältnismässig jungen Kunstgattung ein vielgestaltiger und fluider Raum zugestanden wird. Das Herzstück der Schau stellt das zum Entdecken und Stöbern einladende Archiv dar, welches vom Projektteam rund um die Basler Künstlerinnen Lena Eriksson, Muda Mathis, Chris Regn und Andrea Saemann zusammengetragen wurde. Per Open Call forderten sie die Schweizer Performance-Szene dazu auf, Dokumentationsmaterial ihrer Aktionen einzureichen. Erstmals zusammengeführt, ergibt das einen lebendigen, anarchischen und variablen Überblick über die letzten Jahrzehnte der hiesigen Performance-Landschaft. Während auf drei Monitorinstallationen und einzelnen Schaustationen ausgewählte Einsendungen in kuratierter Form gezeigt werden, sind auf Computern alle Beiträge in frei wählbarer oder zufälliger Reihenfolge einsehbar. Das Archiv verstehen die Initiantinnen nicht als abgeschlossen. Entsprechend läuft der Open Call auch weiter, Zusendungen sind immer noch willkommen. Ergänzt wird dieser einzigartige Überblick schweizerischer Performance-Kunst von drei kleineren aufeinanderfolgenden Wechselausstellungen. Dazu wurden einzelne Performer:innen eingeladen, ihr Werk retrospektiv zu präsentieren. Den Auftakt machte das Duo Porte Rouge, aktuell läuft die Ausstellung von Sarina Scheidegger, und im August wird ein Projekt von Angela Marzullo gezeigt.
Im Gartenpavillon, der als öffentlicher «Backstage-Raum» verstanden wird, kann man mit den Initiantinnen Tee trinken und diskutieren. Jedes Wochenende kommt zusätzliche Live-Action auf. Am Freitagabend wird jeweils ein Videoprogramm gezeigt, am Samstagabend finden Performances statt, und am Sonntag wird mit eingeladenen Personen diskutiert. Jedes Wochenende ist dabei einem unterschiedlichen Thema gewidmet, wobei das aktuelle Kapitel sich gar über vier Wochen erstreckt: ‹Soziale Eleganz› rückt mit diversen Events im Solitude Park Netzwerke, Kollektivität und Gemeinschaft als Charakteristika der Performance-Kunst ins Zentrum. Danach wird mit ‹Direktübertragung› die spezifische Rezeptionserfahrung von Live-Kunst befragt, und ‹Freckly Night› feiert schillernde Momente zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die Einladung zur Party ist ausgesprochen – wir kommen! 

Until 
21.08.2022

→ ‹Bang Bang – translokale Performance Geschichte:n›, ein Ausstellungsprojekt von Revolving ­Histories/Performance Chronik Basel und Museum Tinguely, bis 21.8. 
www.tinguely.ch www.performancechronikbasel.ch www.panch.li

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