Bernard Bazile

Bernard Bazile · Ici le temps du monde fini commence, Ausstellungsansicht circuit – ­centre d’art contem­porain, Lausanne

Bernard Bazile · Ici le temps du monde fini commence, Ausstellungsansicht circuit – ­centre d’art contem­porain, Lausanne

Bernard Bazile · Ici le temps du monde fini commence, Ausstellungsansicht circuit – ­centre d’art contem­porain, Lausanne

Bernard Bazile · Ici le temps du monde fini commence, Ausstellungsansicht circuit – ­centre d’art contem­porain, Lausanne

Hinweis

Bernard Bazile

Lausanne — Die Ausstellung von Bernard Bazile (*1952, Meymac) im circuit fängt die aktuelle Beunruhigungen bildkräftig ein. Der Altmeister kommt im ersten der beiden Säle der Kunsthalle aber erst einmal dokumentarisch auf seine  ‹Brillances› zurück, die zwei Jahre nach seinen ersten Auftritten in Galerien und Museen ab 1978 einsetzen. Statt im Ausstellungsraum konkrete und soziale Erfahrungen durch das Einschleusen verfremdeter Bedarfsgüter oder aufgezeichneter Alltagsszenen zu beleuchten, machte Bazile mit ephemeren Setzungen im öffentlichen Raum die Passierenden auf die komplexe Realität aufmerksam, in der wir existieren. In den ersten ‹Brillances› verschob er dazu jeweils nur den Strahl einer vorhandenen Lampe und brachte die neu beleuchtete Fläche durch Putzen und Flicken so auf Hochglanz, dass in ihr die Umgebung aufschien. Ähnliche Effekte erzeugte er später auch in Naturräumen, jedoch mit spiegelglatt abgeschliffenen Steinen und in Innenräumen mit vor die Wände gehängten Scheiben, neben denen er oft eine Glühlampe platzierte, die bei Licht auf der anderen Seite wie in der verlorenen Installation von Duchamp 1947 einen ‹rayon vert› erzeugte.
Bazile hob sich damit in einem Moment, als sich eine neoprimitive Malerei der Konzeptkunst entgegenstellte, in dieser selbst wieder ein malerisches Feld aus, das eher im Sinne von Manet und Seurat das moderne Leben fein ergründet und breit vermittelt. So ist Bazile der Ansicht: «Bewegt man sich mit Leichtigkeit in der Kunst, ist man der Mitbürgerschaft etwas schuldig.» Er mache deshalb in Ausstellungen gerne ein Gebräu, das unterschiedliche Menschen anspricht. Entsprechend sei für ihn hier auch wichtig, dass sich in den Scheiben, hinter denen er die Dokumente der ‹Brillances› aufgehängt hat, sowohl die Welt vor der Kunsthalle als auch die Installation spiegelt, mit der er im zweiten Saal darauf reagiert hat. So hat ihn beim Flanieren in der Stadt zwischen Epidemie und Ukrainekrieg im Naturhistorischen Museum ein Steinkohleblock von elf Tonnen aus dem Wallis erschüttert, der 1941 durch die Schweiz gekarrt wurde, um die vom Schliessen der Grenze beunruhigte Bevölkerung mit dem Verweis auf inländische Bodenschätze zu trösten. Leider konnte das zerbrechliche Stück nicht ausgeliehen werden. Dafür funkelt im circuit nun ein von Bazile aus der Mine geholtes Muster auf einem Lastwagen aus der Epoche. Dahinter wölbt sich eine Werbeblache mit blauem Himmel und Schäfchenwölkchen. Nur der Schriftzug, der eine Zeile von Valéry von 1931 «Le Monde fini commence» mit «ICI » einleitet, bricht mit dieser hoffnungsvollen Stimmung: Keine Ressource ist unendlich. Bazile mahnt jedoch: «Ich meine dies nicht moralisch, einfach als Feststellung.» 

Until 
23.07.2022
Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Bernard Bazile da 10.06.2022 a 06.08.2022 Ausstellung Lausanne
Schweiz
CH

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