Gerry Schum

Gerry Schum · Fernsehgalerie, Ausstellungsansicht Kunst Museum Winterthur. Foto: Reto Kaufmann

Gerry Schum · Fernsehgalerie, Ausstellungsansicht Kunst Museum Winterthur. Foto: Reto Kaufmann

Hinweis

Gerry Schum

Winterthur — Das Kunst Museum Winterthur widmet der ‹Fernseh- und Videogalerie› von Gerry Schum die bisher umfassendste Schau in der Schweiz. Die Fragen um den Pioniergeist des Filmproduzenten und Kameramanns, der in den Jahren von 1969 bis 1973 die Kunst im TV sowie per Video demokratisieren wollte und aus­serhalb klassischer Distributionswege dachte, sind heute so aktuell wie damals.
Auf dem Schwarz-Weiss-Schirm zieht ein Bulldozer mit seiner Schaufel entlang den Rändern des Screens ein Viereck in den Sand. Bald werden die Wellen die Form wieder «getilgt» haben. Die Materialien, die in einer Vitrine im Kunst Museum Winterthur präsentiert werden, lassen uns erkennen, dass es sich um ein gezieltes Spiel zwischen Landschaft und Medium handelt in ‹12 Hours Tide Object with Correction of Perspective›. Fotos illustrieren, dass der Holländer Jan Dibbets (*1941) von einem Bus filmte, mit einer Perspektive, dass im Fernsehformat aus dem Trapez ein Rechteck wurde. Damit ist das Projekt typisch für die ambitionierte ‹Fernsehgalerie Gerry Schum›, die am 15. April 1969 auf dem Sender Freies Berlin ausgestrahlt wurde und sich dem Crossover von Land Art und dem neuen Distributionsmedium widmete. Sie versammelte dabei junge Künstler wie Richard Long, Robert Smithson und Walter de Maria … Der Filmproduzent und Kameramann Gerry Schum (1938–1973) und seine Partnerin Ursula Wevers (*1943) waren «Avantgarde», ohne zu übertreiben. Sie wollten das Massenmedium TV und die VHS-Kassette nutzen, um zeitgenössische Kunst auszustellen und zugänglich zu machen! «Eine unserer Ideen ist die Kommunikation von Kunst anstelle des Besitzes von Kunstobjekten.» Dieser Idee widmet Winterthur die erste umfassende Museumsausstellung in der Schweiz, welche in einem Raum alle Videos sowie erhellende Zusatzdokumente versammelt.
Die Land Art, die sich Vermarktung und Vermittlung im Galerieraum entzog, bildete für Schum den idealen Startpunkt. Die zweite Sendung am 30. November 1970 im SWF, ‹Identifications›, kreiste um Themen wie Materialien oder Prozesse mit zwanzig Beiträgen von Joseph Beuys, Daniel Buren, Mario Merz bis Richard Serra. Trotzdem war dem Projekt im Fernsehen kein Erfolg beschieden. Schum vertrieb die Filme fortan als unlimitierte Editionen. Weiter gründete er die spezialisierte ‹videogalerie schum›, wo er Werke im neuen Medium mit Kunstschaffenden aufnahm und diese zu moderaten Preisen in grosser Auflage verkaufte.
Bis zu seinem frühen Tod 1973 entstanden so legendäre Arbeiten wie von Serra ‹Hand Catching Lead› von 1968, wo der Künstler versucht, Bleifolien zu fangen, wobei sich seine Hand schwärzt. Zwar sind solche Arbeiten wie auch der Pionier längst Kunstgeschichte – werden aber selten wie in dieser Schau so umfassend kontextualisiert und präsentiert. Dies wirft zeitlose Fragen um Distributionswege, Präsentationsarten und Zugänglichkeit auf.

Until 
11.09.2022
Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Gerry Schum da 26.03.2022 a 11.09.2022 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH

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