Manon de Boer

Manon de Boer · Resonating Surfaces, 2005, Courtesy Jan Mot. Foto: Stefan Rohner

Manon de Boer · Resonating Surfaces, 2005, Courtesy Jan Mot. Foto: Stefan Rohner

Manon de Boer · Caco, João, Mava and ­Rebecca. From nothing to something to something else (Teil 2), 2019, Courtesy Jan Mot. Foto: Stefan Rohner

Manon de Boer · Caco, João, Mava and ­Rebecca. From nothing to something to something else (Teil 2), 2019, Courtesy Jan Mot. Foto: Stefan Rohner

Hinweis

Manon de Boer

St. Gallen — Die Jugend telefoniert nicht mehr. Sie bevorzugt Kommunikationskanäle, bei denen der Ton mit dem Bild gekoppelt ist. Die Stimme hat sich woanders durchgesetzt: Sprachnachrichten haben den Textnachrichten längst den Rang abgelaufen. Mitteilungen werden ins mobile Gerät gesprochen und irgendwann, irgendwo, vielleicht immer wieder angehört. Die gesprochene Sprache bleibt: Einander etwas sagen, in den Tonfall alles hineinlegen, was sich nicht sagen lässt, sich ganz dem Klang hingeben, der Sprachmelodie – Sprechen vermittelt Informationen nicht nur durch Wörter, sondern auch durch die Stimm­ästhetik. Diesen Qualitäten der Stimme, dem Hören und nicht zuletzt auch der Wirkung des Bild-Ton-Raums widmet Manon de Boer (*1966, Kodaikanal) ihre Ausstellung im Kunstmuseum St. Gallen. Es ist die bisher umfangreichste Einzelausstellung der in Indien geborenen und in Brüssel lebenden Künstlerin. Gezeigt wird sie im Untergeschoss des Museums. In diesem postmodernen Raumgefüge ohne Tageslicht kommen ihre Arbeiten aufs Beste zur Geltung, dafür war das kräftige Orange auf den Wänden nicht extra notwendig. Vielmehr steht es im Kontrast zu jenen fein austarierten Zwischentönen der Filme und Videos, der Lesung, der Drucke und Installationen.
Manon de Boer arbeitet oft mit anderen zusammen, sie flicht Referenzen in ihre Werke ein, wie etwa zum Werk von Agnes Martin, zur niederländischen Schauspielerin Sylvia Kristel oder dem Bürgerrechtsaktivisten Richard X. Clark. Sie spricht mit der Choreografin und Tänzerin Latifa Laâbissi, filmt vier Teenager und bezieht sich – immer wieder – auf Chantal Akerman. Letztere liest in ‹A Family in Brussels›, 1998, ihren Text über ihren eigenen Familienalltag in Brüssel. Das zweistündige Hörstück ist ein individueller Bericht, der zugleich auf einer übergeordneten Ebene funktioniert: Akerman porträtiert menschliches Zusammenleben. Damit fügt sich ihre Arbeit aufs Beste in die Polyphonie der Ausstellung Manon de Boers ein: ‹Che Bella Voce› transportiert eine Vielstimmigkeit, die sich einerseits in übertragenem Sinne als ein Neben- und Miteinander von Haltungen und Gedanken lesen lässt und sich andererseits wörtlich verstanden in facettenreichen Klängen äussert. Dazu gehören auch die Geräusche der Natur als Resonanzraum für menschliches Denken und Sein. Ob Mensch oder Landschaft: Manon de Boers Werk überzeugt durch ihren präzisen filmischen Blick und ihr aufrichtiges Interesse am Wesen der Dargestellten.

Until 
09.10.2022
Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Manon de Boer da 26.03.2022 a 09.10.2022 Ausstellung St. Gallen
Schweiz
CH
Artisti
Manon de Boer
Author(s)
Kristin Schmidt

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