Rudolf Koller

Rudolf Koller · Ruhender Löwe, aus: Skizzenbuch P 65, fol. 2, 1851/1855, Grafitstift auf Papier, 13,8 x 38 cm, Courtesy Kunsthaus Zürich

Rudolf Koller · Ruhender Löwe, aus: Skizzenbuch P 65, fol. 2, 1851/1855, Grafitstift auf Papier, 13,8 x 38 cm, Courtesy Kunsthaus Zürich

Rudolf Koller · Studie zu: Kühe im Wasser, aus: Skizzenbuch P 55, fol. 32, vor 1869, Feder in Braun und Grafitstift auf Papier, 10,5 x 16,7 cm, Courtesy Kunsthaus Zürich

Rudolf Koller · Studie zu: Kühe im Wasser, aus: Skizzenbuch P 55, fol. 32, vor 1869, Feder in Braun und Grafitstift auf Papier, 10,5 x 16,7 cm, Courtesy Kunsthaus Zürich

Hinweis

Rudolf Koller

Zürich — Selbst wenn man Rudolf Koller (1828–1905) gut kennt, ist er immer wieder für Überraschungen gut. Den jüngsten Beweis liefert die Kabinett-Ausstellung im Zürcher Kunsthaus, die so reich ist, dass man auch nach einem zweiten Besuch längst nicht alles «ausgeguckt» hat. Koller, dieser stimmungsvolle Schweizer Realist, tritt uns hier als ein Künstler entgegen, dem wir bei der Aneignung von Wirklichkeit über die Schulter schauen können – zeichnend, unmittelbar, in der ihm eigenen wechselvollen Handschrift. Sein zeichnerischer Kosmos ist in einer Fülle von Skizzenbüchern bewahrt, von denen sich 67 Bände unterschiedlichster Formate in der Grafischen Sammlung des Kunsthauses befinden. Sie wurden nun in mehrjähriger Arbeit restauriert und digitalisiert; zehn der wichtigsten sind inzwischen auf digital.kunsthaus.ch abrufbar, und die von Jonas Beyer kuratierte Schau setzt der vorangegangenen Arbeit die Krone auf.
Aus der Unmenge der mehr als 3600 Skizzen­blätter wurden über sechzig ausgewählt, ergänzt durch zwölf Gemälde, die mit ihnen in direkter Verbindung stehen. Vom vollendeten Blatt bis zum auf wenige Zeichen verkürzten Stenogramm ist da alles zu sehen, und man mag aus heutiger Sicht bedauern, dass Koller nur für sich, aber nicht für die Öffentlichkeit zeichnete. Lebendigkeit, Direktheit, Spontaneität und Dynamik sind da zu spüren, aber auch Innigkeit, Aufgehen in der Landschaft, ja Glücksmomente im Begegnen von Tieren – Hunden, Pferden, Ziegen, Schafen und immer wieder Kühen, einzeln und in Gruppen –, von Tieren als Mitgeschöpfen des Menschen: Im Skizzieren und Festhalten der Wirklichkeit kommt uns Koller oft näher als in manchen seiner ausgeführten Gemälde. Einen Beweis liefert etwa der ‹Ruhende Löwe›, den Koller wohl 1851 im Tiergarten Schönbrunn gesehen hat. Das kleine Blatt ist von unglaublicher Naturwahrheit und zählt zu den Meisterwerken der Grafischen Sammlung. Seine Ausführung besticht durch die vollendete Verbindung von Hell und Dunkel, von Präzision und leichter Hand. Später hat Koller den nun mit offenen Augen ruhenden Löwen – im Hintergrund bleicht ein Gerippe – in die Wüste versetzt (wo Koller nie war): ein schönes Gemälde mit Variationen von Beige- und Brauntönen und Anklängen von Genremalerei, aber kein Meisterwerk. Direkt unter dem Gemälde befindet sich eine von drei Medienstationen, die je das Digitalisat eines Skizzenbuches bieten, an dieser Stelle das mit den Wiener Löwenbildern. Es lohnt sich, an jeder Station ausgiebig Halt zu machen. Man stösst dabei nicht nur auf vieles, was einem hilft, Koller besser zu sehen und den suchenden Künstler zu erkennen, der so virtuos Volumen und Licht in der freien Natur darzustellen wusste, sondern auch auf hübsche Details von Pariser Kunsterfahrungen – oder das absolut berührende Kälblein auf dem Tragreff. 

Until 
14.08.2022
Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Rudolf Koller da 20.05.2022 a 07.08.2022 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Artisti
Rudolf Koller
Author(s)
Angelika Maass

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