Lipp&Leuthold — Plural-Werden

Lipp&Leuthold · I Licked the Yellow Suit of the Sun, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Luzern, 2021; oben u. a. mit ‹Planets›, 2021; unten mit ‹The Yellow Suit›, 2021. Foto: Marc Latzel

Lipp&Leuthold · I Licked the Yellow Suit of the Sun, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Luzern, 2021; oben u. a. mit ‹Planets›, 2021; unten mit ‹The Yellow Suit›, 2021. Foto: Marc Latzel

Lipp&Leuthold · I Licked the Yellow Suit of the Sun, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Luzern, 2021; oben u. a. mit ‹Planets›, 2021; unten mit ‹The Yellow Suit›, 2021. Foto: Marc Latzel

Lipp&Leuthold · I Licked the Yellow Suit of the Sun, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Luzern, 2021; oben u. a. mit ‹Planets›, 2021; unten mit ‹The Yellow Suit›, 2021. Foto: Marc Latzel

Besprechung

Wer heuer den Sommer sucht, findet ihn im Kunstmuseum ­Luzern. Wo nicht nur die farbenfrohe Ausstellung ‹I Like a ­Bigger Garden› wartet, sondern auch ‹I Licked the Yellow Suit of the Sun› von Lipp&Leuthold. Mit erfrischend unverkrampfter und verspielter Malerei, die nur so vor Witz und Esprit sprüht.

Lipp&Leuthold — Plural-Werden

Luzern — Ein wild vibrierendes Gewimmel wühlender Linien. Überbordende Formen und Flächen, die sich unendlich überlagern. Alles in leuchtenden Acryl-, Öl- und Sprayfarben. Mit expressivem Duktus auf grossformatigen Leinwänden aufgetragen. So etwa beim titelgebenden ‹The Yellow Suit›, 2021. Zu sehen sind aber auch reduzierte, geradezu ruhige Gemälde, die zum Innehalten einladen. So etwa ‹Planets›, 2021, eine durch Linien verbundene Konstellation farbiger runder Flächen, die auf einem grauen Farbverlauf schwebt.
Chaos und Kosmos. «Chaosmose» als Figuration aus der wechselseitigen Angewiesenheit. Als materieller Prozess, der von der Arbeitsweise ausgeht. Denn die Irritation entsteht aus der Interaktion zwischen Lipp&Leuthold, welche durch eine ständige Kommunikation und Reflexion über Materialien und Herangehensweisen begleitet wird. Paul Lipp und Reto Leuthold (beide *1977), die auch unabhängig voneinander künstlerisch tätig sind, arbeiten seit 2003 als Künstlerduo. Willkürlich setzen sie sich rigide Regeln, um aus der Komfortzone auszubrechen. Ein Kreislauf aus Interventionen, Provokationen und Reaktionen wird in Gang gesetzt. Ein posi­tiver Feedback-Loop, der sich oszillierend hochschaukelt, bis er in einen Rausch aus Farben und Formen eskaliert. Ein dialogischer Prozess zwischen Ich und Du, in dem jedes Verstehen ein Missverstehen beinhaltet und Anerkennung des anderen, das Loslassen der Kontrolle bedeutet. Und das souveräne Subjekt sich dem Unvorhersehbaren öffnet. Etwa wenn der eine übermalt, was der andere behalten wollte und vice versa. Eine Situation, die keinen Konflikt auslöst, sondern ungeahnte Möglichkeiten. Was Vertrauen voraussetzt. Und Humor. Denn es ist eine fröhliche Kunst im ‹Jungbrunnen der Heiterkeit›, 2020. Ein Malen nach dem Ende der dogmatischen Kunst und nach dem Tod des Künstlergenies. So «verwursten» sie alle möglichen ­Stile, Techniken und Materialien: Abstrakter Expressionismus, Jean-Michel Basquiat, Dieter Roth, Fischli/­Weiss, Siebdruck, Sprayen, Farbhäute aus Acryl und vieles mehr.
Die von Laura Breitschmid kuratierte Ausstellung geht mit einer ebenso frisch-fröhlichen, von Megie Zumstein gestalteten Publikation einher. Buch und Ausstellung entstanden in Kooperation mit der Kommission Bildende Kunst Stadt Luzern, die 2020 das Künstlerduo mit Band 17 der Publikationsreihe ‹Junge Kunst der Stadt Luzern› ausgezeichnet hat. 

Until 
19.09.2021

→ ‹Lipp&Leuthold – I Licked the Yellow Suit of the Sun›, Kunstmuseum Luzern bis 19.9.; Katalog, Hatje Canz Verlag ↗ www.kunstmuseumluzern.ch

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