Collected Views from East or West in der Generali Foundation

Jaroslaw Kozlowski · Metaphysik, 1972, Installation

Jaroslaw Kozlowski · Metaphysik, 1972, Installation

Besprechung

Die Zukunft hat gerade erst begonnen: Während im EU-Erweiterungsjahr 2004 zuerst noch überall die Begrüssungscocktails für die neuen Mitgliedsländer in Form von «Ost-Kunst»-Ausstellungen angerührt wurden, setzen sich nun weit elaboriertere Präsentationen durch, in denen mögliche Beziehungen und Parallelentwicklungen in Ost und West eine differenzierte Neubeurteilung des gegenseitigen künstlerischen Verhältnisses erlauben. So versteht sich auch die Ausstellung «Collected Views from East or West» der Wiener Generali Foundation als Beitrag zu einer diesbezüglich vertieften Diskussion.

Collected Views from East or West in der Generali Foundation

Als Versicherungskonzern besitzt die Generali eine grosse Sammlung von Kunst der sechziger und siebziger Jahre in den Bereichen Konzeptkunst, Performances, Aktionen, Videos und Fotografie. «Collected Views» bringt nun Teile dieser Sammlung, Arbeiten von Dan Graham, Adrian Piper oder Harun Farocki, mit vergleichbaren Positionen von noch nicht zur Sammlung gehörenden KünstlerInnen aus den zentral- und osteuropäischen Staaten zusammen. Wenn hier auch nachgewiesenermassen von keinen direkten Beeinflussungen in welcher Richtung auch immer gesprochen werden kann, so lassen sich doch zunächst einmal interessante Bezüge herstellen, die einige thematische und formale Parallelen in den Vordergrund rücken - ein grosses Verdienst dieser Schau. So findet man beispielsweise dies- wie jenseits des Ex-Eisernen Vorhangs die übergreifende Thematik der utopischen Architektur, des unendlichen Raumes. Dieser spielt in verschiedenen Environments und Aktionen der slowakischen Künstler Julius Koller und Stano Filko ebenso wie bei den Österreichern Hans Hollein oder Walter Pichler Ende der sechziger Jahre eine bedeutende Rolle. Die politische Auseinandersetzung mit Öffentlichkeit führt bei Ewa Partum und in anderer Form auch bei Andreja Kuluncic zu partiellen Aneignungen des öffentlichen Raumes. Jozef Robakowski hingegen kommentiert in dem wunderbaren Film «Aus meinem Fenster» quasi als Spion des öffentlichen Lebens das private Geschehen in seiner Umgebung. Hier kehren Konstanten des sozialistischen Alltags wieder, wie die regelmässig beobachteten 1.-Mai-Paraden, die als pointierte Metaphern auf die Veränderungen der Zeit gelesen werden können. Ähnlich symbolisch auch eine Foto-Arbeit von Edward Krasinski, «Ich habe das Ende verloren!» von 1969, in der sich der Künstler wieder und wieder in einem schier endlosen Schlauch verheddert. Weitere Arbeiten von Tomislav Gotovac, Marina Abramovic, Sanja Ivekovic, Milan Knizak, Dora Maurer, Pavel Braila.

Until 
18.12.2004

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