Josephine Pryde in der Secession

Josephine Pryde · Relax (Blue)

Josephine Pryde · Relax (Blue)

Besprechung

«Da die Fluchtwege, die einstmals von kreativer Ablenkung versprochen worden waren, gleichzeitig mehr und mehr verstopft werden, stellt sich doch die Frage, was eine Kunstausstellung als temporäre Konzentrationsanstrengung überhaupt leisten kann.» In einem Kunstumfeld, in dem ein Ausstellungserfolg mehr und mehr am temporären Zerstreuungseffekt gemessen wird, mutet Josephine Prydes mit suffragettenhafter Verve vorgetragene Forderung nach einer «Konzentrationsanstrengung» im Kunstraum geradezu heroisch an.

Josephine Pryde in der Secession

Vielleicht versucht Josephine Pryde tatsächlich eine Rettung all jener Versprechen, die für sie und ihre Generation (*1967, lebt in London) von der Kunst und nicht zuletzt von einem differenzierten Kunstbetrieb noch ausgegangen sind. War doch die Kunst in den neunziger Jahren noch ein Modell der subversiven oder - schelmischerweise - bürgerlichen Attacken auf gängige Usurpationen, ein Ort, wo unendliche Diskussionsmöglichkeiten bestanden. Nun ist der Spiess gewendet, und was bleibt, ist vielleicht doch noch die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Kunst und ihrer Geschichte. In ihrer ambitionierten Ausstellung in der Secession hat Pryde jedenfalls die nicht geringe Anstrengung unternommen, den Glamour-Faktor in der künstlerischen Produktion zu skelettieren und mit einer Untersuchung produktionstechnischer Verfahrensweisen zu verknüpfen. In Fotogrammen, die aus der Belichtung von Sirup entstanden sind, wird die Frühgeschichte der abstrakten Kunst zitiert, genauso wie in einer Fotoserie über austrocknendes Motorenöl. Im Eingangsbereich der Ausstellungsräume hängen zwei Porträts der Künstlerin Lucy McKenzie, ebenfalls Fotogramme, diesmal in Referenz an Man Ray und vielmehr noch an dessen Lebensgefährtin Lee Miller, der eigentlichen Erfinderin dieses Verfahrens. Zwischen Demontage und Neuinterpretation schwankt auch die Arbeit «Chains» - in Anlehnung an Eva Hesse, von Pryde einmal als «Kunststreberin» bezeichnet -, die als hängende Fahrradketten-Skulptur überraschende plastische Qualitäten entfaltet. Die Hauptarbeiten der Ausstellung jedoch sind vier eigens für die Secession entstandene Fotos, die viermal ein Auto der Marke Honda Prelude - eines banalen Mittelklassewagens - zeigen. Das Kunststück dieser Aufnahmen allerdings besteht darin, dass ein Kübel Farbe jeweils im Flug über die Autos gekippt wurde, so dass im Stillstand des Fotoklicks ein fast materieller Haufen glänzenden Farbstoffs festgehalten wurde. Hier öffnet sich ein weiter Referenzraum: Was bedeutet die Bürgerlichkeit der Lebensstile? Woraus konkretisiert sich die Malerei? Oder: Wie unbeschwert waren eigentlich die schlemmerischen Achtzigerjahre?

Until 
29.01.2005

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