Kunst und Politik - Gast des Monats

Christine Goll

Christine Goll

Lea Schaltenbrand · Turmbau in blau, 2004, Tempera auf Leinwand, 160 x 120

Lea Schaltenbrand · Turmbau in blau, 2004, Tempera auf Leinwand, 160 x 120

Fokus

Im letzten Kunst-Bulletin hat die Ständerätin Christiane Langenberger unsere Fragen beantwortet, mit denen wir die Begegnung von Politik und Kunst ausloten und animieren wollen. In dieser Ausgabe lassen wir Christine Goll zu Wort kommen. Die Nationalrätin und Präsidentin des vpod, deren dezidierte Voten auch häufig in der Fernseh-Arena zu vernehmen sind, plädiert für mehr Engagement der KünstlerInnen in Berufsverbänden

Kunst und Politik - Gast des Monats

Acht Fragen an Christine Goll

Kunst-Bulletin: Welches kulturelle Ereignis oder künstlerische Werk hat Sie nachhaltig beschäftigt?

Christine Goll: Im Jahr 2001 erschien das Buch «Wir wollen alles, und zwar subito! Die Achtziger Jugendunruhen und ihre Folgen» von Heinz Nigg (zusammen mit einer DVD und einer Website). Die Auseinandersetzung mit einem Stück meiner eigenen (politischen) Biografie war spannend.

KB: Gibt es ein Werk aus dem Bereich der zeitgenössischen bildenden Kunst, das sie gerne besitzen würden?

CG: Ja, ein Bild aus der Abschlussarbeit unserer Tochter an der Universität der Künste in Berlin im letzten Herbst. Ich freue mich sehr, dass ihr Selbstporträt, das sie bei einem Turmbau mit Stühlen zeigt, bald in unserem Wohnzimmer hängen wird.

KB: Mit welchem lebenden Künstler oder welcher Künstlerin würden Sie sich gerne über ein bestimmtes Thema unterhalten?

CG: Mit Franz Hohler darüber, was ihn bewogen hat, bei der Budget-Strafaktion des Ständerates gegen die Pro Helvetia vor das Bundeshaus zu stehen und weshalb er es früher nie getan hat. Und weshalb er der Einzige war.

KB: Hat die Beschäftigung mit Kunst Auswirkungen auf Ihr gesellschaftlichpolitisches Tun, Ihre tägliche Arbeitspraxis, Ihre «Firmenkultur»?

CG: Das habe ich mir noch nie überlegt. Wahrscheinlich bin ich eine Kunstbanausin.

KB: Sollte Kunst allgemein verständlich sein, oder darf sie sich ? wie andere Forschungsfelder ? einem schnellen Zugriff entziehen?

CG: Als Politikerin masse ich mir nicht an zu definieren, wie Kunst zu sein hat. Kunst kann mich ansprechen, mir gefallen, aber auch missfallen oder mich schlicht nicht interessieren.

KB: Gibt es ein unterschiedliches Kulturverständnis in Stadt und Land?

CG: Ich glaube nicht, dass sich das Kulturverständnis von Menschen in Stadt und Land grundsätzlich unterscheidet. Das Kulturangebot in einer Stadt, von dem auch das Land profitiert, ist aber sicher grösser, weshalb auch ein finanzieller Ausgleich bei der Förderung von Kultur zwischen Stadt und Land notwendig ist.

KB: Wären Sie gerne Künstler oder Künstlerin oder sind Sie froh, keine/r zu sein?

CG: Weder noch. Ich bin keine, aber ich freue mich, dass in den letzten Jahren vermehrt Künstlerinnen ihren Raum erobert haben.

KB: Als Öffentlichkeits-Profi: was raten Sie Künstlern und Künstlerinnen, um für Ihre Anliegen mehr öffentliche Resonanz zu erhalten?

CG: Sich vermehrt in Berufsverbänden und Gewerkschaften zu organisieren, um ihre Anliegen gemeinsam vertreten zu können.

Christine Goll(*1956 in Zürich) 1986 Mitbegründerin der FraP! (Frauen macht Politik!), deren prominenteste Vertreterin sie lange Jahre war. 1987 Wahl zur Kantonsrätin, seit 1991 Nationalrätin, 1997 der SP beigetreten, von 2000 bis 2003 Vizepräsidentin der SP Schweiz. Präsidentin der Nationalratskommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK). Seit November 2003 Präsidentin des vpod, der Gewerkschaft für das Personal im öffentlichen Dienst. Vorher 17 Jahre selbständige Tätigkeit in der Bildungsarbeit, in der Beratung, Projektentwicklung und Konzeptarbeit für verschiedene Nonprofit-Organisationen sowie als Journalistin.

Lea Schaltenbrand(*1978 in Zürich) Ausbildung an der Fakultät für Bildende Künste Belgrad, 1999?2001, Universität der Künste Berlin, 2001?2004. Arbeitet mit unterschiedlichen Medien: Malerei, Film, Foto und Installation. Beteiligt sich aktuell in Zürich als Bühnenbildnerin nach einem Stück von Kurt Schwitters im Rahmen des Premio-Förderpreises für junges Theater.

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