Mark Handforth im Kunsthaus

Mark Handforth · Blick in die Ausstellung im Aufbau, Kunsthaus Zürich, Februar 2005, Foto: Natalie Ellwanger, © Kunsthaus Zürich

Mark Handforth · Blick in die Ausstellung im Aufbau, Kunsthaus Zürich, Februar 2005, Foto: Natalie Ellwanger, © Kunsthaus Zürich

Besprechung

In der Mitte des Raumes steht ein Gewirr von geknickten Stahlrohren und Platten und bald erkennt man, dass es sich dabei um ein überdimensioniertes Strassenschild handelt. Die Fläche auf der die Botschaft zu finden wäre, liegt mit Schrift nach unten, sodass wir nicht wissen, wohin der Weg führt. Wirbelstürme, Flutwellen und Erdbeben gehören zwar beinahe zu unserem Alltag, die ungestüme Kraft vermag aber nach wie vor zu beeindrucken, auch wenn sie wie im vorliegenden Fall von Menschenhand geformt ist.

Mark Handforth im Kunsthaus

Der britische Künstler Mark Handforth (*1969) ist in die Rolle von Shakespeares Prospero, dem Herrscher über die Luftgeister, gestiegen, der die Kunstobjekte, die sich auf städtisches Mobiliar beziehen, gefertigt hat. Nur gerade fünf Arbeiten sind in der von Mirjam Varadinis kuratierten Ausstellung zu sehen, doch die Zusammenstellung ist derart präzise, dass es ihr gelingt, das, was sie zu erzählen versucht, immer auch wieder zu dekonstruieren. So ist der Hydrant zwar über und über mit Farbe bekleckert, so als hätte Jackson Pollock seine Drippings auch an solchen Objekten versucht, doch Handforth hat die Gusskante in Bodennähe stehen gelassen und gibt damit zu erkennen, dass der Gegenstand aus Fiberglas gemacht ist. Auch die Wandinstallation «Phone» erinnert an eine auseinandergebogene amerikanische Telephonzelle, wobei einzelne Elemente überdimensioniert sind und sich durch ihre Machart von dieser entfernen und eher eine Verwandtschaft zu den Eckreliefs von Wladimir Tatlins aufweisen. Die Verwertung von Alltagsgegenständen interessiert Handforth. Vor allem dann, wenn sie eine doppelte Funktion ausüben und sowohl als Teil einer Alltagsrealität und als Skulptur gesehen werden: «Mir gefällt es, wenn auf den ersten Blick nicht mehr klar erkennbar ist, ob es sich tatsächlich um einen Gegenstand von der Strasse handelt oder eben um ein Kunstwerk.» Indem er bestimmte Objekte als Kopien von realen Gegenständen nachbaut, verstärkt er diese Irritation zusätzlich. Kommt hinzu, dass diese Gegenstände eine physische Präsenz ausstrahlen, die den Betrachter und auch den negativen Raum zwischen den einzelnen Arbeit mit einbeziehen.

Handforth sieht seine Ausstellungen als Landschaften: «Jede Arbeit ist mit den anderen gezeigten Werken eng verbunden, und insgesamt fügen sich die Werke im Raum zu einem Ganzen zusammen.» Unter diesem Gesichtspunkt passt dann auch die Installation mit den Neonröhren ins Gesamtkonzept. Sie erweckt anfänglich den Eindruck eines Fremdkörpers, bis man feststellt, dass sie alle Objekte wie in einer heller Vollmondnacht, so ihr Titel «Harvest moon» anstrahlt. Und sie ist es auch, die einen sachten und poetischen Gegenpol zu den «trashigen» Artefakten erzeugt und damit nach Urs Fischer die Serie der surreal-träumerischen Ausstellungen im Kunsthaus fortsetzt. Bis 17.4. Katalog mit einem Interview zwischen Mark Handforth und Mirjam Varadinis sowie einem Text von Eric Troncy. Verlag JRP | Ringier, Fr. 38.--.

Until 
16.04.2005

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