Ines Doujak im Kunstverein

Ines Doujak · Dirty Old Women, 2005, Copyright: Hermann Seidl

Ines Doujak · Dirty Old Women, 2005, Copyright: Hermann Seidl

Besprechung

Mit einem nicht ganz alltäglichen Projekt tritt die österreichische Künstlerin Ines Doujak derzeit im Salzburger Kunstverein auf und leitet damit auch die erste Ausstellung unter der neuen Direktorin Hemma Schmutz ein. Diese hat ihr Amt im Frühjahr als Nachfolgerin von Hildegund Amanshauser angetreten, die eine Professur in Münster aufgenommen hat und noch für das diesjährige Programm des Kunstvereins verantwortlich zeichnet.

Ines Doujak im Kunstverein

Ines Doujak arbeitet seit Jahren an verschiedenen Projekten, die einerseits sehr ortsbezogen funktionieren, und andererseits eine Reihe von thematischen Konstanten wie Sexismus, Rassismus, Geschlechtsspezifika oder Xenophobie aufgreifen. So ging es in ihrer ersten grösseren Einzelausstellung in der Wiener Secession 2002 «Vater Arsch» wechselweise um die Kodierung und Sichtbarmachung von repressiven Machtverhältnissen in einem autoritären System. Doujak bedient sich in ihrer Arbeit verschiedener semi-performativer Methoden der Grenzüberschreitung: übertreten werden sowohl Mittel der Darstellung als auch deren Konventionen.

In der Projektreihe «Dirty Old Women» beschäftigt sie sich mit der gesellschaftlichen Stellung und der Repräsentation von Frauen in Bezug auf Alter, Klasse oder soziale Zugehörigkeit. In diversen Workshops arbeitete Doujak mit Frauen aus der Türkei oder mit Bewohnerinnen eines Altersheims in Barcelona an Fragen der Konstruktion von Alterungsprozessen in spezifischen Gesellschaften. Die Zuschreibungen von Attraktivität, Persönlichkeit, Weiblichkeit erweisen sich dabei immer auch als gebunden an das Phantasma eines begehrten, unversehrten, unentstellten Gesamtkörpers, der nicht nur in den Medien als privilegierter Konsumkörper dargestellt wird. Wie man solchen oft klischeehaften Demonstrationen gegenüber eine ästhetische Strategie entwickeln kann, die nicht in die Fallen des Klischees selbst tritt, ist wohl die grosse Frage, die für Doujaks Ausstellung in Salzburg prägend war. Zusammen mit Salzburger Seniorinnen wurde ein Konzept für eine Modenschau entwickelt, bei der die Teilnehmerinnen des Workshops als Models fungierten und eigens für diesen Anlass kreierte Kostüme vorführten. Auf der Grundlage eines «Call for Pictures» wurden die Kleider als «Bildträger» konzipiert, die alternative Sichtweisen auf die repräsentierten Körper bereitstellten. Unter der Prämisse, dass man bereit ist, in gesellschaftlichen Problematisierungen unter dem Banner der Mode überhaupt kritisches Potenzial zu orten, konnte der gewählte Ansatz unter anderem auch zu einer Klärung von Lokal-Klischees beitragen.

Until 
25.06.2005

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