Matt Mullican im Kunstmuseum

Besprechung

Matt Mullican im Kunstmuseum

Matt Mullican wurde bekannt durch seine selbst entworfenen Piktogramme, die einen systematischen Versuch darstellen, die Aussenwelt durch zeichenhafte Abstrahierungen zu strukturieren. Diese Systematisierungen sind weniger als Transformationen der (realen) Aussenwelt zu verstehen - und stehen insofern auch in keiner Beziehung zur linguistischen oder poststrukturalistischen Zeichentheorie. Vielmehr sind sie als äussere Prägungen auf einer anderen Bewusstseinsebene zu finden. Eines der Hauptinteressen in Mullicans eigener Formulierung gilt denn auch immer wieder den Beziehungen von Bewusstsein und Sprache. So arbeitet der heute in New York lebende Kalifornier (er war Schüler von John Baldessari) seit den siebziger Jahren auch unter experimentellen Bewusstseinsformen wie Trance und Hypnose.

In der Linzer Ausstellung bilden diese Arbeiten eine Art modellhaft-labyrinthisches Zentrum, an dessen Ausläufern auch Formen von skulpturalen Modellen aus Glas oder Holz präsentiert werden. Die Anordnung im begehbaren Labyrinth besteht aus einer Raumfolge von neuen Zeichnungen, beziehungsweise Verläufen von Schriften, die unter Trance entstanden sind, und die Mullican als «Learning from that person's work» bezeichnet. Der Künstler distanziert sich in seiner eigenen Haltung bewusst von diesen Werken. Es geht dabei um ganz Privates, Alltägliches: «When I wake I love the feeling of fresh air on my face.» «I love to work for truth and beauty ...» Immer wieder kommen Begriffe wie Liebe und Schönheit, und immer wieder geht es ums Essen - und damit hat Mullicans Persona hier ein Universum geschaffen, in der absolut Profanes in einer sehr direkten Sprache verhandelt wird, die, so scheint es, Mullican selbst sich in seinen «eigenen» Arbeiten versagt. So taucht als eine dieser Äusserungsformen auch die Malerei auf, obwohl Matt Mullican selbst keine Bilder malt. Auf dieser Ebene bearbeitet Mullican Alltagsphänomene, die aus einer anderen Perspektive die Basis für einen Grossteil der us-amerikanischen Populärkultur bilden - sozusagen als privater Parallel-Entwurf von Popkunst.

Until 
18.02.2006

Werbung