Gernot Wieland in der Galerie Andreas Huber

Gernot Wieland · o.T., Nr. 51, 2005, Kartoffeldruck, Tusche, Collage auf Papier, 42 x 29,7 cm

Gernot Wieland · o.T., Nr. 51, 2005, Kartoffeldruck, Tusche, Collage auf Papier, 42 x 29,7 cm

Besprechung

Der in Berlin lebende Künstler Gernot Wieland dokumentiert in seiner Ausstellung in der Wiener Galerie Andreas Huber das Leben eines Vogelforschers. An der Grenze zwischen Fiktion und Naturwissenschaft inszeniert er ein autonomes Paralleluniversum, das auch Querverweise zur zeitgenössischen Kunstproduktion enthält.

Gernot Wieland in der Galerie Andreas Huber

Bereits der Titel des Projektes «Zwei Kilometer westlich, ein Kilometer südlich, hundert Meter gerade aus» erinnert in seiner Vagheit an jene Art von Distanzangabe, mit der auch die Kinderbuchheldin Pippi Langstrumpf bei der Suche nach dem Seeräuberschatz vorgeht: im Ungefähren bleibend, aber für Eingeweihte durchaus dekodierbar. So hat Gernot Wieland für diese Ausstellung verschiedenste Elemente eines imaginierten Lebens zusammengestellt, die ihren fiktiven Charakter manchmal preisgeben, manchmal aber auch verhüllen.

Ein namenloser Ornithologe steht im Zentrum der Installation; in einem Video wird sein Reisetagebuch mit Notizen und tabellarischen Aufzeichnungen durchgeblättert, ein anderes Video zeigt filmische Aufnahmen verschiedenster Vögel. Ein Vogelnest aus braunem Pappkarton am Türsturz angebracht, eine architektonische Öffnung in der Wand als Verweise darauf, wo Vogelnester sitzen können, beziehungsweise Vitrinen mit Forschungsmaterialien oder grossformatige Collagen mit kartographischen Studien und Kommentaren in Aquarell und Tusche sind die weiteren Arbeiten, die das Setting vorgeben.

Gernot Wieland hat bereits in früheren Arbeiten kleine, alltägliche Szenen filmisch oder zeichnerisch zu fiktionalen Miniaturen transformiert, in denen psychologisch und emotional dichte Parallelwelten entworfen wurden. In «Zwei Kilometer» wurden zudem anspielungsreiche Chiffren eingebaut, die von einem Duktus der Nachahmung geprägt sind: In der akribischen Methodik des Naturforschers zitiert Wieland humanistische Wissenschaftler wie Wilhelm von Humboldt und kreuzt dies mit einem Diskurs über «die Institution», im Speziellen über den der Psychiatrie. Der Pseudowissenschaftler ist jahrelanger Insasse eines psychiatrischen Heims, eine Tatsache, die wir z.B. aus handschriftlichen Randbemerkungen - «Anpassung: 7:02 nein; 7:03 nein» - erfahren, aber auch aus einem «psychiatrischen Gutachten», das den Off-Kommentar zum einen Video bildet. Zitiert oder nachgeahmt wird dabei aber auch ein «Stil» dokumentarischen Arbeitens, wie er im Kunstbetrieb in den letzten Jahren Konjunktur hatte und der hier selbst fiktionalisiert wird. Parallel dazu finden sich weitere dezent gesetzte kunstgeschichtliche Anspielungen, die an die Aufmerksamkeit des Betrachters appellieren.

Until 
16.06.2006

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