«Downloads from Future» in der Kunsthalle

David Maljkovic · Scene for a new heritage, 2004, Videostill. Courtesy Annet Gelink Gallery, Amsterdam

David Maljkovic · Scene for a new heritage, 2004, Videostill. Courtesy Annet Gelink Gallery, Amsterdam

Besprechung

Die Sicht auf die Zukunft ist ein Spiegel der Gegenwart. Ob als utopischer Entwurf einer besseren Welt oder als Blick aus Distanz auf die eigene Zeit, die Zukunft spielt im Schaffen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler eine wichtige Rolle. Oliver Kielmayer hat mit «Downloads from Future» eine Handvoll Positionen zusammengestellt

«Downloads from Future» in der Kunsthalle

Sind das Gesänge sardischer Schafhirten, Alpsegenrufe von Appenzeller Sennen oder Walfische am Kommunizieren? Die akustischen Reize beim Betreten der Kunsthalle stimulieren die Neugierde. Die archaischen Laute gehören zu einer Gruppe Leute, die in der Art des kroatischen Volksgesangs Ganga miteinander reden, als ob sie ihre tausendjährige Geschichte übergangen hätten und zurück zu den Urlauten geraten sind. Im Inneren eines doppelseitig sich verjüngenden Holzgefässes projiziert David Maljkovic (*1973 in Zagreb) je einen Film aus der Trilogie «Scenes for a New Heritage». Rückwärts fahren die drei Männer im Jahr 2045 in die Gegenwart, um beim Partisanen-Kriegsdenkmal in Petrova die Vergangenheit zu ahnen. Die Besucher des historischen Ortes, den zu Titos Zeiten jedes Kind kannte, können sich keinen Reim auf diesen kolossalen Turm machen. Das futuristisch anmutende, zwischen 1970 und 1981 erbaute Gebäude ist seit dem serbisch-kroatischen Krieg dem Verfall preisgegeben. An derselben Stelle wurde auch der letzte König Kroatiens 1097 ermordet. Der Bau steht als verlassene Skulptur in der Landschaft, betretbar zwar, aber funktionslos. Das beunruhigt die Besucher, sie spüren die Spiritualität des Ortes, aber auch das Unheilvolle. Sie erkunden das Innere. Die Ambivalenz zwischen Neugierde und Angst, Ahnung und Verdrängung zieht sich durch die Arbeit.

«Scene for a new Heritage» von David Maljkovic ist Teil einer konzisen Ausstellung, die der Frage nach den Vorstellungen von Zukunft als Hinweis auf die Wahrnehmung von Gegenwart und der Erfahrung von Geschichte nachgeht.

Tarek Zaki (*1975 in Riad, lebt in Kairo) zeigt einen riesigen USB-Stecker als Skulptur und archäologisches Fundstück, rätselhafter Überrest des digitalen Zeitalters, umrahmt von Zeichnungen eines Archäologen der Zukunft. Das in Kairo entwickelte Projekt «Ramses files» von Susanne Kielmann (*1972 in Erlangen) spürt anhand der über dreitausend Jahre alten Statue die Unmöglichkeit menschlichen Strebens nach, Zukunft zu verbessern. Ein Animationsfilm und Planzeichnungen zum Zukunftsszenario «Globus Cassus» von Christian Waldvogel (*1971) beweist die Entstehung eines Ortes aus dem Magma des Erdinneren, wo die Menschen das Ende des Sonnensystems überleben werden. Das ist gar nicht nur beruhigend.

Eine Schlüsselstellung nimmt Silvie Defraouis (*1935) Langzeitprojekt «Archives du Futur» ein. Im Winterthurer Beitrag «Plis et replis» (2002) streichen Hände in der Horizontalprojektion zerknüllte Zeitungsbilder glatt, bevor sie verglimmen. Der diffuse Wunsch nach umfassender Erinnerung bei gleichzeitiger Notwendigkeit des Vergessens bekommt ein Bild poetischer Eindringlichkeit.

Until 
23.09.2006

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