«No Picture Available» bei Hard Hat

Philippe Decrauzat · Sans titre, 2004

Philippe Decrauzat · Sans titre, 2004

Besprechung

Die Ausstellung «No Picture Available» besteht gerade mal aus sieben Werken. Die fünf Multiples und zwei Unikate hängen an einer einzigen Wand in dem kleinen Raum an der Rue des Bains 39, in dem das Editionshaus «Hard Hat» untergebracht ist.

«No Picture Available» bei Hard Hat

«Hard Hat» ist eine gemeinnützige Organisation, die 2004 als Nachfolgerin der JRP-Editionen mit dem vorrangigen Ziel gegründet wurde, deren Multiple-Produktion weiterzuführen. An Hard Hat beteiligt sind Künstler sowie Kunsthistoriker: John Armleder, Lionel Bovier und Christophe Chérix, dazu kommen Balthazar Lovay und Fabrice Stroun, welche die Geschäfte führen. Multiples haben in den letzten Jahren auf dem Kunstmarkt immer mehr an Ansehen gewonnen - handelt es sich dabei ja nicht um Massenware, sondern um kleine Editionen, die auch für Sammler mit einem bescheideneren Budget erschwinglich sind. Für «No Picture Available» haben sich drei Künstler zusammengetan, die alle aus der Westschweiz stammen und sich mit «geometrischer» Malerei, insbesondere auch mit Elementen aus dem grafischen und industriellen Design beschäftigen. Francis Baudevin (*1964), Stéphane Dafflon (*1972) und Philippe Decrauzat (*1974) ging es hier nicht darum, neue Bilder zu schaffen, sondern bestehendes Bildmaterial, manchmal zufällig Gefundenes, kaum oder nicht verändert, neu zu deklarieren. So wurde etwa ein rechteckiges, gelb bedrucktes Stück Altpapier sauber gerahmt und darf jetzt, von drei Paten gleichzeitig aus der Taufe gehoben, auf ein zweites Leben als Kunstwerk hoffen. Andere Motive stammen von Plattenhüllen aus den sechziger und siebziger Jahren; ein schwarzweiss gestreiftes «SOS» passt als Seriegraphie perfekt ins Œuvre von Philippe Decrauzat. Eine Arbeit von Stéphane Dafflon fällt auf, weil sie figürlich ist und als Einzige einen Untertitel trägt: «Saut de la mort sur l´autoroute». Man darf sie sicher als doppelte Hommage an zwei verstorbene Künstler sehen. Das kleine Blatt wurde nach einer Fotografie aus einer Zeitung gedruckt, welche die Unfallstelle wiedergibt, wo der Schweizer Maler Luigi Lurati 1967 erst 31-jährig tödlich verunglückt ist. Lurati, dessen immer noch allzu wenig bekanntes Werk dem amerikanischen Hard-Edge-Stil nahesteht, ist eines der Vorbilder der drei jungen Romands - ebenso wie Andy Warhol, auf den in der Wahl des Bildgegenstands offenbar hingewiesen wird. Das Pressefoto mit dem tragischen Autounfall reiht sich beinahe nahtlos in Warhols Car-Crash-Serie aus den frühen sechziger Jahren.

Until 
02.11.2006

Die Galerie Skopia in Genf zeigt bis zum 28.10. ebenfalls Arbeiten von Francis Baudevin.Im Genfer Centre d´Art Contemporain sind vom 27.10. bis Ende Dezember Gemälde, Wandbilder, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen von Philippe Decrauzat zu sehen.

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