Julie Ault/Martin Beck in der Secession

Julie Ault / Martin Beck · Installation, Secession 2006, Foto: Alexander Koller

Julie Ault / Martin Beck · Installation, Secession 2006, Foto: Alexander Koller

Besprechung

Der österreichische Künstler Martin Beck und die in New York lebende Künstlerin Julie Ault haben für den Hauptraum der Secession eine Art Mini-Retrospektive ihrer Arbeit aufbereitet, die teilweise gemeinsam im Duo und teilweise individuell in den letzten Jahren entstanden ist. Beide beschäftigen sich in unterschiedlichen Zusammenhängen mit historischen, designtheoretischen, architektonischen, urbanistischen und sozialen Fragen. Diese werden in Projekten verarbeitet, in denen jeweils auch die Formen ihrer Präsentation mitreflektiert sind.

Julie Ault/Martin Beck in der Secession

Den Rahmen zur lapidar «Installation» betitelten Ausstellung von Ault und Beck liefert ein dritter Künstler, der 1996 verstorbene Felix Gonzalez-Torres, der mit zwölf Schwarzweissfotografien aus der Arbeit «Untitled, Natural History» von 1990 vertreten ist, die an der Aussenwand des Ausstellungsraums verteilt hängen und diesen somit symbolisch wahlweise abschliessen oder öffnen. Jedes dieser Fotos bildet einen Begriff aus dem Theodor Roosevelt Memorial in New York ab, der auf den historischen Präsidenten zugeschnitten ist: «Author», «Soldier», «Patriot», «Historian» usw. Im Display der Ausstellung, so die beiden Künstler, sollen die nüchtern-traurigen Fotografien dieses steinernen Monuments als Klammer dienen, die generell auf Produktionsmodi und auf Fragen von Autorschaft hinweisen, deren Funktion aber in diesem Kontext nicht ausreichend geklärt ist.

Die eigenen Arbeiten von Ault und Beck beziehen sich auf gemeinsame Interessen und auf theoretische Fragestellungen, die immer wieder um Modernismus, utopisches Ausstellungsdesign und Möglichkeiten künstlerischen Handelns kreisen. Mit «Struc Tube» rekonstruierte Beck ein modulares Ausstellungssystem von 1948, das nun als Informationsträger für die eigene Ausstellung dient. Julie Ault befasste sich längere Zeit mit der katholischen Nonne Corita Kent, die sich als Druckgrafikerin, Aktivistin und Kunstlehrerin in New York betätigte und deren Serigrafien modernistisches Design zitieren und weiterführen. Eine Dia-Installation zeigt unter Verwendung dokumentarischer Aufnahmen Nebenaspekte dieses eigenwilligen Künstlerinnenlebens: selbstorganisierte Events und Besuche bei lokalen Heroen der Kunstgeschichte. Eine Gemeinschaftsarbeit von Beck/Ault bestimmt als grösstes Werk den gesamten Ausstellungsraum: Eine als Wandmalerei installierte Tafel, die auf den prekären Berechnungsmodus der Armutsgrenze in den USA seit den 1960er Jahren hinweist. Die vielleicht interessanteste Arbeit der Ausstellung, «Rumor», June 14, 1969, bezieht sich auf die wechselvolle Rezeptionsgeschichte eines modernistischen Gebäudes des Architekten Paul Rudolph an der Yale University in New Haven. Lediglich ein Foto eines Fassadenteils und dazu eine begleitende Bibliografie eröffnen den Interpretationsrahmen nicht nur für Urbanismus und Architektur, sondern auch für die Konstruktion von Geschichte.

Until 
11.11.2006

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