Anna Meyer in der Galerie für Zeitgenössische Kunst

Anna Meyer · Conflict Mini, 2006, Installationsansicht, Foto: Anna Meyer

Anna Meyer · Conflict Mini, 2006, Installationsansicht, Foto: Anna Meyer

Besprechung

Anna Meyer geht mit ihrer Malerei auf die Strasse, in Shopping Center, auf Kleidung oder in den Kunstraum und lotet so die Möglichkeiten des Mediums und seine Wahrnehmungsformen aus. Unter dem Titel «Schlechte Malerinnen sind bessere Künstlerinnen» zeigt die GfZK Leipzig nun eine Werkschau der Künstlerin, die ihrer vielfältigen Praxis Rechnung trägt.

Anna Meyer in der Galerie für Zeitgenössische Kunst

Der zunächst zynisch wirkende Titel der Ausstellung hat durchaus programmatischen Charakter: So werden darin die oft schnell über die Lippen kommenden Bewertungskriterien «gut» und «schlecht» zur Diskussion gestellt. Ebenso verbirgt sich ein Hinweis auf die diskriminierende Vorstellung, dass Frauen keine guten Malerinnen seien. Zudem weist der Titel vom Medium der Malerei ausgehend über dieses hinaus, und hier sind wir inmitten Anna Meyers Kunstproduktion: Die Künstlerin kommentiert ihre Sicht auf die Welt als Malerin und passt mitunter Malstil und Präsentationsform den jeweiligen Bildthemen an. So unterscheiden sich die Serien der «Japan-Bilder», 2004-05, stilistisch von jenen der «Homeless-Müllness», 2003, oder auch von der neuesten Serie «Conflict Mini», 2006. In den Malereien der «Japan-Bilder» reflektiert sie die transparenten Räume der Glasarchitekturen und die durch Neonlichter und Werbescreens hell erleuchteten Strassen Tokios mit einer geradezu impressionistisch anmutenden Farblichtmalerei. Am trügerischen Schein von Transparenz arbeitet sie in «Conflict Mini», in der sie ihre Eindrücke aus einem Workshop mit anderen Künstlern und Künstlerinnen in Ramallah versammelt. Auf Plexiglasplatten sind klein gemalte Strassenszenen, Wörter und Satzfragmente - beispielsweise «Krisenparkplatz Welt» - lose verteilt zu sehen, die ihre Rolle als Workshopteilnehmerin vor Ort und die politisch verworrene Situation der Region reflektieren. Zu den räumlich versetzt angeordneten Plexiglasplatten platziert sie ein Modell eines Checkpoints und Spielzeugautos mit der Aufschrift «Conflict Mini». Dahinter hängen grossformatige Malereien auf Leinwand, auf denen einzelne Szenen hervorgehoben werden. Anna Meyer baut ihre Eindrücke aus Ramallah schichtweise zusammen. Die Spielzeugautos bilden zudem einen Link vom Kunstraum hinaus zu einer Kooperation mit Mini Leipzig. Vor der GfZK steht ein realer Mini bereit, der mit dem Titel «Schlechte Malerinnen sind bessere Künstlerinnen» bemalt ist und die Besucher und Besucherinnen zu Anna Meyers zweitem Ausstellungsort bei Mini-Leipzig fährt.

Das Spiel mit Grössenverhältnissen, Bedeutungs- und Realitätsebenen sowie ihre raumgreifende Umgangsweise mit Bildern und ihr bildhafter Umgang mit Raum ziehen sich durch die gesamte Arbeit der Künstlerin. Ob als grossformatig gemaltes Billboard im öffentlichen Raum oder als kleines Modell im Galerienraum - immer bleiben ihre Arbeiten malerisch, auch wenn sie diese mal skulptural, mal installativ oder performativ in Szene setzt. So gibt Anna Meyers Experimentierfreudigkeit viel und vor allem spannenden Stoff für zeitgenössische Malereidiskurse.

Until 
06.01.2007

Werbung